Januar, 2010

Die neue Zärtlichkeit

Ich habe Tocotronic nie verstanden. Als sie 2002 ihr Weißes Album herausgebracht haben, bin ich etwas irritiert, aber dennoch euphorisch auf ihr Konzert gegangen und nervte Sänger Dirk von Lowtzow auf dem Weg zur Konzerthalle: „Spielt ihr heute Gehen die Leute?“ – „Nein“. „Letztes Jahr im Sommer?“ – „Nein“. „Was spielt ihr überhaupt?“ – „Heute spielen wir gar nichts.“

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Adornos Angst vor Žižek

Zeichnung: Björn

Zeichnung: Björn

„Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“ – „Mir nicht.“ So beginnt das berühmte Spiegel-Interview „Keine Angst vor dem Elfenbeiturm“ von 1969, indem Adorno begründet, warum er in jenen turbulenten Zeiten lieber ganz auf die verändernde Kraft der Theorie setzt.

Seitdem ist viel geschrieben worden über die Frage, ob man überhaupt noch etwas tun kann, sofern man sich nicht die Hände an jenem „Falschen“, dem alles bestimmenden Kapitalismus, schmutzig machen will. Lange schien der Rückzug in den Elfenbeinturm die tragische Konsequenz der kritischen Theorie zu sein. Der Jazz-Hasser Adorno als Komponist filigraner Zwölftonmusik – so das oft bemühte Bild für die Weltflucht eines Intellektuellen in seine ästhetische Theorie.

Das das nicht alles sein kann, war immer irgendwie klar. Verständlich wird dieses Geflecht aus Theorie und Praxis jedoch erst, wenn man es mit den letzten Schriften von Slavoj Žižek entwirrt. Denn nur auf den ersten Blick haben der stets traurig schauende Theodor „Teddy“ W. Adorno und der bekennende Neurotiker Slavoj Žižek nichts gemein. Hier habe ich einen Artikel über beide und die Frage „was tun?“ geschrieben.