Mai, 2010

Die „Interessantheit“ der Information

Albumcover: Beck - The Information. Von: streetpreacher83, Lizenz: by-nc-nd

Ihr sollt schreiben, was euch Spaß macht, sagte Sascha Lobo den Redakteuren der Rhein-Zeitung. Am Dienstag war er für einen Tag Chefredakteur, um zu testen, „ob sich die Erkenntnisse der Informationsvermittlung im Netz zurück auf das Papier übertragen lassen.“ Drei Charakteristika zeichnen laut Lobo Informationen im Netz aus:

Interessantheit (die Informationsweitergabe basiert auf persönlichen Empfehlungen, also muss einen etwas auch selbst interessieren – jeder soll über etwas schreiben, das ihn bewegt)
Subjektivität (persönliche Standpunkte sind erwünscht)
Visualisierung (das Internet lebt von Bildern und Emotionen; Leser sollten deshalb die Stimmung im Einzugsgebiet der Zeitung per Foto einfangen und ihre Aufnahmen an die Redaktion schicken)

Wie „interessant“ ist die Ausgabe? Was steht drinnen?

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Gegen die Allmacht der Echtzeit

„Kratz dich raus“ ist die erste Platte von Hans Unstern. Für die Spex ist sie schon jetzt ein Kandidat für das deutschsprachige Album des Jahres, Die Zeit lobt Unsterns „unzeitgemäße Unverdaulichkeit“. „Ein staubiges Europa ist das Interieur dieser Platte“, kann man auf Unsterns Homepage lesen – die „Sehnsucht nach dem unbedingten unterwegs sein, die (…) sich vehement gegen die Allmacht der Echtzeit stemmt, eine melancholische Verstimmung, die erst das neue Jahrhundert mit sich brachte.“ Permanent unterwegs, doch Unstern findet nur Ein Coversong – so der Titel des neuen Videos. Warum?

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„Ein Lied von Wiederkehr, ein Lied vom Leben“

Christine Watty vom Deutschlandradio Kultur hat die letzten Tage per Twitter die schönsten Vogel-Songs gesucht. Das Matrosenlied „Die großen weißen Vögel“ von Ingrid Caven bekam die meisten Tweets – seit ein paar Jahren der wunderschöne Rausschmeißer nach Tocotronic-Konzerten. Vergangenen Monat war ich fast ein bisschen froh, als die Vögel endlich dran waren.

Wenn Deutschland dicht ist, hilft nur die Liebe

Bild: Christopher Tauber (piwi)

Dietmar Dath schreibt viel. Zuviel, findet die taz und hat ihm letzten Monat empfohlen, ein bisschen weniger Geschichten aus dem „Dath-Kontinuum“ auf den Markt zu werfen. Da hatte Dath gerade eine Rosa-Luxemburg-Biographie und das „politische Bilderbuch“ Deutschland macht dicht veröffentlicht. Das kommt mit jeder Menge Illustrationen und ist so viel leichter bekömmlich als die wundersame Dystopie Die Abschaffung der Arten vor zwei Jahren. Schöner kann es im Dath-Kontinuum eigentlich nicht mehr werden.

Deutschland macht dicht spielt in Frankfurt. Da lebt Hendrik. Hendrik schaut immer ein bisschen traurig. Doch in Frankfurt und Deutschland ist alles irgendwie traurig. Menschen demonstrieren, aber sie wissen nicht mehr wofür. Der „älteste Kommunist Deutschlands“ sitzt in seinem Keller, „fest eingewickelt in seine Melancholie“, und wünscht sich, er sei in einer anderen Welt. Oder zumindest, dass endlich etwas passiert. „Zuspätkommunist“, wie er von Rosalie genannt wird. weiterlesen