Träum was Schönes, liebe Maschine

Heute hat David Gelernter in der Reihe Netzkritik der FAZ/FAS (die ich immer gerne lese) einen schönen Artikel über „Die Traumlogik des Denkens“ geschrieben. Was unterscheidet uns von Maschinen und Netzalgorithmen, können Maschinen eigentlich Menschen werden?

Es ist das freie Assoziieren, die „Traumlogik“, die den Mensch von der Maschine unterscheidet, schreibt Gelernter. Immer, wenn wir müde werden, verlieren wir den Kontakt zur äußeren Realität und fangen an, zu assoziieren, zu träumen. Erfahrungen schwirren uns durch den Kopf, die wir neu verknüpfen und so unsere „Realität“ erzeugen: „Jede erinnerte Erfahrung ist potentiell eine alternative Realität“, so Gelernter und zitiert Rimbaud: „Man soll nicht sagen, ich denke, sondern ich werde gedacht.“ Denn dieser Assoziations-Prozess läuft unbewusst ab.

Der Traum, das Halluzinieren, sei zudem unsere größte Ressource: Künstler, Dichter, wir alle ziehen aus diesem Dämmerzustand unsere kreative Energie, schreibt Gelernter:

„Kreativität stellt sich nicht ein, wenn wir hochkonzentriert sind; nur wenn unsere Gedanken zu schweifen begonnen haben, ist sie möglich. Wir finden kreative Lösungen für ein Problem, wenn wir es vage im Hinterkopf behalten, und nicht, wenn es sich in den Vordergrund drängt und unsere Aufmerksamkeit voll in Beschlag nimmt.“

Wenn die freie Assoziation die Bedingung des menschlichen Bewusstseins ist, folgert Gelernter, dann können Maschinen, das Internet keine menschenähnliche Intelligenz hervorbringen:

„Die Erwartung, dass aus dem Internet heraus Intelligenz entsteht, ist wie die Erwartung, ein Auto zum Fahren zu bringen, indem man aufs Gaspedal tritt, selbst wenn es keinen Motor hat.“

Man könnte jedoch Software-Modelle entwickeln, die Gefühlswelten sowie ein Gedächtnis simulieren und die Erinnerungen anschließend in „rhythmischer Bewegung“ neu miteinander verknüpfen. Dann hätte man immerhin einen „Computer, der zu denken scheint“. Wenn der „künstliche“ Mensch kommt, dann wird man ihn laut Gelernter kaum mehr vom „echten“ unterscheiden können:

„Er wird vielleicht sagen: „Das macht mich glücklich“, aber nicht glücklich sein. Immerhin: Er wird agieren, als ob er es wäre. Er wird wie ein intelligentes menschliches Wesen agieren.“

In dem Film Blade Runner tippt Deckard, aka Harrison Ford, leicht betrunken auf dem Klavier herum und träumt von einem Einhorn. Er denkt deshalb, dass er ein Mensch ist. Am Ende des Films findet er ein kleines Origami-Einhorn und weiß, dass der Traum gar nicht sein eigener war. Bis heute streiten sich die Fans: Ist Deckard nun eine Maschine oder ein Mensch?

Ihm selbst ist das gar nicht mehr wichtig. Er haut einfach mit seiner Replikanten-Freundin ab. Davon können Menschen nur träumen.

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