„Haben wir nicht soviel Wein getrunken?“

Auf die Gefahr hin, dass ich bald nur noch Videos poste: Der australische Kurzfilm Two Men basiert auf Kafkas Betrachtung Die Vorüberlaufenden und stellt die Frage „was tun, wenn…“. In Franz – „Mein Leben ist das Zögern vor der Geburt“ – Kafkas Version liest sich das ganze natürlich noch ein wenig zögerlicher, und zwar so:

„Wenn man in der Nacht durch eine Gasse spazieren geht, und ein Mann, von weitem schon sichtbar – denn die Gasse vor uns steigt an und es ist Vollmond – uns entgegenläuft, so werden wir ihn nicht anpacken, selbst wenn er schwach und zerlumpt ist, selbst wenn jemand hinter ihm läuft und schreit, sondern wir werden ihn weiter laufen lassen.

Denn es ist Nacht, und wir können nicht dafür, daß die Gasse im Vollmond vor uns aufsteigt, und überdies, vielleicht haben die zwei die Hetze zu ihrer Unterhaltung veranstaltet, vielleicht verfolgen beide einen dritten, vielleicht wird der erste unschuldig verfolgt, vielleicht will der zweite morden, und wir würden Mitschuldige des Mordes, vielleicht wissen die zwei nichts von einander, und es läuft nur jeder auf eigene Verantwortung in sein Bett, vielleicht sind es Nachtwandler, vielleicht hat der erste Waffen.

Und endlich, dürfen wir nicht müde sein, haben wir nicht soviel Wein getrunken? Wir sind froh, daß wir auch den zweiten nicht mehr sehn.“

Der Film ist via hier. Hier gibt es noch eine Illustration zum Text.

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