April, 2011

Protestsongs? Ja, Depression

Die Spex sucht verzweifelt nach neuen Protestsongs. Dabei hat die Band Ja, Panik gerade eine ganze CD mit ihnen aufgenommen.

Das schöne an der Band Ja, Panik ist ja, dass man sie ernst nehmen kann. Zumindest seit sie nicht mehr ständig den Exzess als Ausweg aus der postmodernen Langeweile besingt: In dem verschwurbelten Prolog zu Alles hin, hin, hin, eine Art verspätete Begründung für den eigenen Bandnamen, hieß es vor zwei Jahren: „Den Prozess der Kybernetisierug aufzuhalten und das Empire zu stürzen, verläuft über eine Öffnung für die Panik.“ Die Panik hat etwas befreiendes. Ganz im Gegensatz zur Angst. Angst blockiert, sie ist handlungshemmend, sie verändert nichts, sie vermeidet. Wer aber der Panik des öfteren begegnet, der wird versuchen, sein Leben zu ändern. So die Theorie.

Jetzt ist das neue Album erschienen, es heißt DMD KIU LIDT. Darauf wird viel gesprochen, geflüstert und geschrien – ein permanenter Mix aus deutsch und englisch mit gelegentlichem wienerischen Einschlag. Ja, Panik sind ruhiger geworden, ihre Lieder heißen jetzt This Ship Ought to Sink oder Suicide. „I didn’t burn my guitar, but yes I burnt the manifestos“, singt Andreas Spechtl in The Horror – dabei schreibt er die ganze Zeit Manifeste, vor allem für den österreichischen Radiosender fm4: „Vom Überleben in der Metropole“ heißt die Serie, in der er immer wieder Textpassagen des Albums aufgreift.

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Digitale Revolution: „Ein bisschen Körper wird schon bleiben“

Dass man sich Revolutionen eigentlich nie so richtig vorstellen kann, räumte Taz-Chefin Ines Pohl gleich zu Beginn vom Taz/Freitag-Medienkongress „Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt“ ein: Als der Kongress vor einem halben Jahr geplant wurde, habe noch keiner ahnen können, was sich jetzt in der arabischen Welt abspiele, sagte Pohl. Um den Ereignissen gerecht zu werden, habe man das Programm deshalb immer wieder umstellen müssen.

Die „digitale Revolution“ scheint uns dagegen schon eine halbe Ewigkeit zu begleiten. Und, das ist ja das schöne, trotzdem gehen die Vorstellungen darüber, was sie für uns bedeutet, immer noch weit auseinander und reichen vom wirkunsvollstes Instrument des Kapitalismus bis hin zur Erlösung von der eigenen Körperlichkeit – oder, in unserem Fall: Philosoph Joseph Vogl vs. K1-Bewohner und Dschungelcamper Rainer Langhans.

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Žižek an der FU: „Ich setz mich lieber an den Rand“

Mit Žižek ist wie mit jedem anderen Phänomen, das man mal ganz interssant fand: Irgendwann nervt es einen. Ich bin trotzdem noch einmal hin, am Donnerstag Abend. Da redete Žižek an der FU-Berlin. Alles war voll, hinter mir Genuschel: „Hast du ihn schon mal gehört?“ – „Nicht live.“ Zwischenrufe und leise Buh-Rufe trafen die Vorredner, angespannte Stille dagegen beim Vortrag von Žižek – „Is it Still Possible to be a Hegelian Today?“ lautete der Titel.

Ja, möchte man sofort antworten, es scheint noch eine Menge von ihnen zu geben. Der Hegelianer macht Krisen zu Chancen: Die Finanzkrise ist für ihn Vorbote einer neuen Weltwirtschaftsordnung, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Signal für die Befreiung vom Öl, und Fukushima das Ende des Atomzeitalters. Die Aufstände in der arabischen Welt müssen sowieso Zeichen des vernünftigen Fortschreiten der Weltgeschichte sein, in Libyen sollte man da gar nicht mehr nachhelfen, die „List der Vernunft“ werde es schon richten. Gegen diese falsch verstandene „List der Vernunft“ redete Žižek in seinem Vortrag an.

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