September, 2011

Das neue Facebook: Waffe gegen den Selbstzweifel

Vor ein paar Tagen habe ich die neue Facebook-Timeline freigeschaltet. Das ist schon nett, so durch die vergangenen Jahre zu scrollen. Meinen ersten Eintrag schrieb ich im März 2008: „is at the bar“. Und kurz darauf: „is finally working on a pathetic online existence.“ Diese Arbeit geht wohl noch eine Weile weiter. Für die taz habe ich mal aufgeschrieben, warum wir diese Arbeit überhaupt auf uns nehmen, warum trotz der Kritik an Facebook und anderen Web-Oligarchen immer noch so viele Menschen scheinbar so sorglos mit ihren Daten umgehen.

Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Tauschgeschäft. Facebooks Geschäftsmodell besteht aus einer mächtigen Illusion, die da lautet: Tausche deine Daten gegen ein „schönes Leben“. Im Grunde schließt der Text an den schon einmal von mir gemachten Versuch an, Profilbildung im Netz in erster Linie als Versuch zu verstehen, die eigenen Zweifelspiralen zu überwinden (siehe hier und hier). Der Text kommt nach dem Klick.

weiterlesen

Botschaften wieder sichtbar machen

Ich finde ja nicht einmal, dass der Berliner Wahlkampf inhaltsleerer ist als andere Wahlkämpfe. Und die beste Strategie eines Amtsinhabers war es schon immer, Themen möglichst aus dem Weg zu gehen. Was man aber in Berlin derzeit sehen kann ist, dass es mittlerweile sogar subversiver Akte bedarf, um inhaltliche Botschaften (welcher Art auch immer) überhaupt erst wieder sichtbar zu machen.

Das vesuchen zumindest ein paar Berliner Adbuster gerade. Meine liebe Kollegin Lena Kampf hat sie für die taz am Freitag Abend bei ihrem letzten Streifzug vor der Wahl begleitet.

weiterlesen

Gefangen im System #Liebe


„Wonach hast Du bei Google gesucht?““Nach Liebe.““Und was hast Du gefunden?““Twitter.“
@gedankenklo
Benjamin L.


Wenn alle über die Liebe reden – in Filmen, Romanen, Ratgebern, Gesprächen, Texten – ist das ein sicheres Zeichen für ihre Abwesenheit. „Sprache erwächst aus Abwesenheit“, schrieb schon Roland Barthes in seinem Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Wenn die Liebe also überall zu sein scheint, ist sie immer auch nirgends.

Da schon immer viel über die Liebe geredet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie noch nie so richtig präsent war. Liebe definiert sich vor allem durch ihre Flüchtigkeit, durch ein unsicheres Zeichensystem. Nirgends kann man dieses Zeichensystem schöner beobachten, als beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der allseits beliebte Linkverteiler ist längst auch Emokanal Nummer Eins geworden. Überall finden sich hier die Symbole der Intimitätssuchenden: #hach und<3.

weiterlesen

Drug Me

Ich bin kein Fan von diesen Talkshows. Auch diese hätte zehnmal interessanter sein können. Immerhin ist Jello Biafra zu Gast. Drüben auf Dangerous Minds heißt es zur Sendung: „He has stayed true to his core beliefs while many aging punks have sold out and played it safe.“ Das meine ich nicht einmal. Punk hin oder her – Jello Biafra hat einfach immer weitergemacht. Und auf die Frage, wie lange er das noch tun will – warum er sich immer wieder in die gleichen politischen Themen wirft, obwohl sich doch nie etwas zu ändern scheint – sagt er:

Look, you are getting your hearts broken again. But does that mean we give up now and just update our facebook every day and call it a life? Or do we either choose to get louder because this time it might get through?

weiterlesen

Robert Misik im Betahaus: Ist der Apfelkuchen noch gut?

Würde man Fische fragen, wie es auf dem Meeresboden ist, würden sie vermutlich alles Mögliche sagen. Nur nicht, dass es dort nass ist. Experten sind da ähnlich: Sie übersehen das Offensichtliche, das ganz Banale. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und Die Linke haben am Samstag eine ganze Menge Experten ins Betahaus geladen, zur Konferenz Netz für Alle. Auch der Wiener Publizist Robert Misik war dabei. Er stellte sich mit der kleinen Fisch-Anekdote selbst als Nicht-Spezialist vor und suchte in seinem Vortrag nach dem ganz Offensichtlichen: Was ist also das Banale am Internet?

weiterlesen