Emile

In der Natur sind die Bedüfniswelten noch klar: Die Animation Who I Am and What I Want zeigt, wie es sein könnte. (via)

I tried to dance

… and I failed. Schön morbide Animation  für die dunkle Jahreszeit. (via)

Selbst schuld

Herbstliche Animation, angelehnt an den Roman „Der Fall“ von Albert Camus. Das Buch ist eine Art Lebensbeichte des Richters Jean-Baptiste Clamence. Und wie das nach dem Tod Gottes et al. und im Zeitalter der individuellen Freiheit halt so ist, scheint als Schuldige(r) in den ständigen Prozessen des Gewissens stets nur eine(r) übrig zu bleiben. (via)

What do we do now?

Play. (via)

The Raven Always Wins

… zumindest am Geburtstag von Edgar Allan Poe (19.1.1809 – 7.10.1849). Wenn man es schon nicht mehr persönlich ans Westminster Grab schafft, kann man sich immerhin noch einmal DAS Gedicht auf Glas gemalt ansehen. Ende des Jahres wird dann John Cusack gegen den Raben antreten.

„I was chewing chewing gum“

Schönes Fan-Video zu Herman Düne’s „When we were still friends“. (via)

„Alles sollte Kritik sein“

Eine tolle Dokumentation, die da seit zwei Wochen auf YouTube steht: Das war Thomas Bernhard. Fernsehdokumente 1967-1988. Sehr anregend, gerade wenn man sich bisher noch nicht mit dem österreichischen Schwergewicht beschäftigt hat:

„Erregung ist ein angenehmer Zustand und bringt das lahme Blut in Gang. Ohne Erregung ist gar nichts. Da können Sie gleich im Bett liegen bleiben.“

„Alles, was ein Schriftsteller oder Dichter schreibt, sollte Kritik sein.“

„Die Wahrheit ist immer nur, dass man ein „aber“ an den Satz hängt. Die Stadt ohne „aber“ ist einfach eine kitschige Stadt mit kitschigen Menschen und oberflächlichen Scheußlichkeiten… Die einzige Triebfeder in mir ist die, zu sagen, was niemand sagt, oder zu schreiben, was niemand schreibt. Was alle schreiben – dass die Stadt schön ist – das weiß eh jeder. Aber hinter der Schönheit ist etwas anderes.“

„Alles ist wirklich, egal ob es passiert oder nicht. Die Vision ist noch mehr Realität als die Realität. Es gibt nichts Erfundenes… Die eigentliche Natur und die Welt sind in den Zeitungen: Je boulevardesker, je primitiver sie sind, desto mehr lernt man daraus. Ich habe nichts von einem seitenlangen Vortrag von Herrn Popper, der von A bis Z nur Geschwätz ist. Aber ich habe sehr viel davon, wenn da steht: Die Bäuerin Hintermeier in der Steiermark ist Amok gelaufen, hat ihre vier Kinder umgebracht und das fünfte ertränkt.“

„Ich schreibe nicht für Depperte, denen man alles sagen muss… Ich lasse den Leuten einen Spielraum … Natur beschreiben ist sowieso Unsinn, weil sie jeder kennt. Wer einmal in einem Garten war, weiß, was da gespielt wird. Das brauchen Sie nicht mehr beschreiben…Innere Vorgänge, die niemand seht, sind das einzig interessante an Literatur überhaupt. Aber aus uninteressanten Beschreibungen besteht die meiste Schriftstellerei, weil die Leute nicht in großen Aktionen denken können, sondern nur kleinstbürgerliche, folgerichtige Schritte machen – das ist grauenhaft.“

„Haben wir nicht soviel Wein getrunken?“

Auf die Gefahr hin, dass ich bald nur noch Videos poste: Der australische Kurzfilm Two Men basiert auf Kafkas Betrachtung Die Vorüberlaufenden und stellt die Frage „was tun, wenn…“. In Franz – „Mein Leben ist das Zögern vor der Geburt“ – Kafkas Version liest sich das ganze natürlich noch ein wenig zögerlicher, und zwar so:

„Wenn man in der Nacht durch eine Gasse spazieren geht, und ein Mann, von weitem schon sichtbar – denn die Gasse vor uns steigt an und es ist Vollmond – uns entgegenläuft, so werden wir ihn nicht anpacken, selbst wenn er schwach und zerlumpt ist, selbst wenn jemand hinter ihm läuft und schreit, sondern wir werden ihn weiter laufen lassen.

Denn es ist Nacht, und wir können nicht dafür, daß die Gasse im Vollmond vor uns aufsteigt, und überdies, vielleicht haben die zwei die Hetze zu ihrer Unterhaltung veranstaltet, vielleicht verfolgen beide einen dritten, vielleicht wird der erste unschuldig verfolgt, vielleicht will der zweite morden, und wir würden Mitschuldige des Mordes, vielleicht wissen die zwei nichts von einander, und es läuft nur jeder auf eigene Verantwortung in sein Bett, vielleicht sind es Nachtwandler, vielleicht hat der erste Waffen.

Und endlich, dürfen wir nicht müde sein, haben wir nicht soviel Wein getrunken? Wir sind froh, daß wir auch den zweiten nicht mehr sehn.“

Der Film ist via hier. Hier gibt es noch eine Illustration zum Text.

Wir sind müde

Alles geben, trotz der Müdigkeit. Zum Geburtstag von Rio Reiser (9.1.50 – 20.8.96).

Slime-Reunion: Kein Iro, nirgends

Foto: Libertinus, Lizenz: by-sa

Die Neunziger waren keine gute Zeit, um Punk zu werden. Alles schien ganz ok, und alte Helden, wie die Band Vorkriegsjugend, allein wegen des Namens nicht mehr in die Zeit zu passen: Denn keiner hatte mehr Angst vor einem Krieg. Und niemand wusste mehr so richtig, wofür oder wogegen man jetzt konkret noch sein könnte. Unpolitisch sein galt auf einmal als coole Haltung – Oi!. Und dass es nun vor allem Kinder waren, die mit ihren „Punks not dead“ T-Shirt die Bahnhöfe bevölkerten, veranschaulichte nur den Ernst der Lage.

Auch ich hatte so ein T-Shirt. Als sich Slime 1994 aufgelöst haben, war ich zwölf Jahre alt. Eigentlich entstand meine ganze Welt erst durch ihre CDs. Wegen Slime schaute ich nach, was „Yankees“ sind. Und vor allem wusste ich irgendwann, was mit Deutschland alles nicht stimmt. Ihre Platten waren unsere Grundausbildung. Wehe, man kannte einen Song nicht. Was ein Pseudo. Das dachten dann sogar wir, in unseren „Punks not dead“-Shirts. Schnell wurde uns damals klar, dass unsere Welt immer noch ein Alptraum ist, auch wenn das Lied dazu aus dem letzten Jahrzehnt kommt. Und wenn man nur laut genug aufdreht, dann kann man zu dem Alptraum sogar tanzen.

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