Die letzte Tinte sparen

Wie man sich des Projekts der Inversion im Digitalen annimmt:


75.000 Soldaten, mehrere Dutzend Panzer, etliche F-16 und Seekräfte – Die Israelis bereiten wohl einen Genozid der Palästinenser vor. #gaza
@jensbest
jensbest


@ Ja, 64 Jahre haben sie gebraucht und nun bist Du der erste Warner. Danke schön.
@ChristophKappes
Christoph Kappes


@ Ich finde sie machen das die letzten Jahrzehnte ganz geschickt mit der langsamen strategischen Ausrottung.
@jensbest
jensbest


@ 2002 wurde das Israelische Apartheidsregime zuletzt von der UNO ermahnt. Bald (>29.11.) wird es vorm IGH verklagt werden.
@jensbest
jensbest


@ der monatelange Raketenbeschuss aus Gaza ist aber auch echt rattig. Kein Wunder, wenn keiner mehr die Paläst. unterstützen will.
@mickyroth
Michael Roth (Micky)


@ diese jahrzehntelange Unterdrückung und Besatzung ist aber auch echt rattig. Kein Wunder, wenn keiner mehr den Israelis glaubt.
@jensbest
jensbest

Das neue Facebook: Waffe gegen den Selbstzweifel

Vor ein paar Tagen habe ich die neue Facebook-Timeline freigeschaltet. Das ist schon nett, so durch die vergangenen Jahre zu scrollen. Meinen ersten Eintrag schrieb ich im März 2008: “is at the bar”. Und kurz darauf: “is finally working on a pathetic online existence.” Diese Arbeit geht wohl noch eine Weile weiter. Für die taz habe ich mal aufgeschrieben, warum wir diese Arbeit überhaupt auf uns nehmen, warum trotz der Kritik an Facebook und anderen Web-Oligarchen immer noch so viele Menschen scheinbar so sorglos mit ihren Daten umgehen.

Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Tauschgeschäft. Facebooks Geschäftsmodell besteht aus einer mächtigen Illusion, die da lautet: Tausche deine Daten gegen ein “schönes Leben”. Im Grunde schließt der Text an den schon einmal von mir gemachten Versuch an, Profilbildung im Netz in erster Linie als Versuch zu verstehen, die eigenen Zweifelspiralen zu überwinden (siehe hier und hier). Der Text kommt nach dem Klick.

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Gefangen im System #Liebe


“Wonach hast Du bei Google gesucht?”"Nach Liebe.”"Und was hast Du gefunden?”"Twitter.”
@gedankenklo
Benjamin L.

Wenn alle über die Liebe reden – in Filmen, Romanen, Ratgebern, Gesprächen, Texten – ist das ein sicheres Zeichen für ihre Abwesenheit. „Sprache erwächst aus Abwesenheit“, schrieb schon Roland Barthes in seinem Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Wenn die Liebe also überall zu sein scheint, ist sie immer auch nirgends.

Da schon immer viel über die Liebe geredet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie noch nie so richtig präsent war. Liebe definiert sich vor allem durch ihre Flüchtigkeit, durch ein unsicheres Zeichensystem. Nirgends kann man dieses Zeichensystem schöner beobachten, als beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der allseits beliebte Linkverteiler ist längst auch Emokanal Nummer Eins geworden. Überall finden sich hier die Symbole der Intimitätssuchenden: #hach und<3.

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Robert Misik im Betahaus: Ist der Apfelkuchen noch gut?

Würde man Fische fragen, wie es auf dem Meeresboden ist, würden sie vermutlich alles Mögliche sagen. Nur nicht, dass es dort nass ist. Experten sind da ähnlich: Sie übersehen das Offensichtliche, das ganz Banale. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und Die Linke haben am Samstag eine ganze Menge Experten ins Betahaus geladen, zur Konferenz Netz für Alle. Auch der Wiener Publizist Robert Misik war dabei. Er stellte sich mit der kleinen Fisch-Anekdote selbst als Nicht-Spezialist vor und suchte in seinem Vortrag nach dem ganz Offensichtlichen: Was ist also das Banale am Internet?

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Digitale Revolution: “Ein bisschen Körper wird schon bleiben”

Dass man sich Revolutionen eigentlich nie so richtig vorstellen kann, räumte Taz-Chefin Ines Pohl gleich zu Beginn vom Taz/Freitag-Medienkongress “Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt” ein: Als der Kongress vor einem halben Jahr geplant wurde, habe noch keiner ahnen können, was sich jetzt in der arabischen Welt abspiele, sagte Pohl. Um den Ereignissen gerecht zu werden, habe man das Programm deshalb immer wieder umstellen müssen.

Die “digitale Revolution” scheint uns dagegen schon eine halbe Ewigkeit zu begleiten. Und, das ist ja das schöne, trotzdem gehen die Vorstellungen darüber, was sie für uns bedeutet, immer noch weit auseinander und reichen vom wirkunsvollstes Instrument des Kapitalismus bis hin zur Erlösung von der eigenen Körperlichkeit – oder, in unserem Fall: Philosoph Joseph Vogl vs. K1-Bewohner und Dschungelcamper Rainer Langhans.

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Warum im Netz alle Revoluzzer sind

Die nächste RSA-Animation kommt diesmal zu einem Vortrag von Evgeny Morozov und der Frage “The Internet in Society: Empowering or Censoring Citizens?” Den Vortrag hat Morozov vor zwei Jahren gehalten, trotzdem ist es eine schöne Einführung zu seiner Auseinandersetzung mit dem “Cyber-Utopismus”, die er in seinem Buch “The Net Delusion” führt. Morozov wird am 8. April in Berlin den Medienkongress “Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt” eröffnen.  (via)

#Guttbye und die Bodenständigkeit des Internets

Foto: Oszedo, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Was war der Beitrag des Netztes im Fall Guttenberg? Die Antworten auf diese Frage waren teilweise an Netzüberschätzung kaum zu überbieten. An anderer Stelle konnte man dagegen lesen, dass es “das Netz” sowieso nicht mehr gibt – es gehöre längst zum Medien- und Politzirkus dazu, ist Mainstream geworden. Wenn man überlegt, wie stark eine Facebook-Gruppe die Berichterstattung der letzten Tage geprägt hat, könnte man sogar meinen, es sei der Star in der Manege. Was lernen wir daraus? Ein paar Gedanken zu den vergangenen Tagen.

Letzten Samstag zogen einige Alpha-BloggerInnen, der CCC, sowie Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg mit rund 500 Netzmenschen vors Verteidigungsministerium, um dem “Lügenbaron” ihre Schuhsohlen zu zeigen – “weil Worte nicht mehr ausreichen”, wie Initiator Hans Hübner sagte. Das war schön. Und hat deshalb innerhalb von wenigen Tagen soviele Leute angesprochen, weil der Aufruf ein Sachthema mit einer augenzwinkernden Geste kombinierte. Bis auf wenige (Plakat: “Von Gaddafi bis Guttenberg – wir kriegen euch alle!”) haben das auch die meisten verstanden.

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Kierkegaard, Morozov und der Slacktivismus

kierkegaard

Ich habe für die Frankfurter Rundschau einen Text zu Evgeny Morozov’s Buch “The Net Delusion: How Not to Liberate The World” geschrieben: Revolution per Internet: Dänisches Gedankenlager. Es geht darum, dass Morozov das “Entweder – Oder” des sympathischen Dänen etwas überstrapaziert, weil er befürchtet, dass neue Protestformen die alten ersetzen könnten. So wichtig es auch ist, nicht einem blinden Technologieglauben zu verfallen, aus dem heraus man die Welt nur noch mit unsinnigen Begriffen wie “Facebook-” oder “Twitterrevolution” erklärt, so unsinnig ist es auch, neue und alte Protest- bzw. Organisationsformen gegeneinander auszuspielen. Wichtiger wäre die Suche nach dem effektivsten “sowohl – als auch”.

But in what sense does it become concrete?

Dokumentation: WikiRebels

Ein halbes Jahr hat das Filmteam Julian Assange begleitet und daraus eine gute Dokumentation zu Geschichte, Agenda und Kritik von und an Wikileaks gebastelt. Anscheinend hat Assange zu Beginn des Projekts auch ein paar geheime Scientology-Dokumente veröffentlicht und wurde daraufhin von der Sekte verfolgt (Minute 5). Das nur, weil mir die Verbindung zwischen Wikileaks und den Anonymous – deren Aktionen sich bisher vor allem auf Scientology konzentriert haben, und die sich jetzt zu den DDOS-Attacken bekennen – bisher nicht klar war.

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Generation Zombie (II)

Am Dienstag wollte ich zeigen, dass der Zombiestatus eine Versuchung des Internets ist: Eine Art Idealzustand, der eintreten würde, falls man seinen gesamten Zweifel in die Cloud auslagern könnte. Wir hätten so durch das Netz endlich einen Weg gefunden, uns der nervenden Gedanken zu entledigen – uns von ihnen zu distanzieren. Ein schöner Gedanke. Das Problem: Wir würden uns damit selbst abschaffen. Ohne den Zweifel sind wir eben keine Menschen mehr, sondern Zombies.

Klingt abstrakt. Ich glaube aber, dass der Versuch seine eigene Negativität quasi auszulagern, eine große Versuchung des Internets ist und eine große Suchtwirkung entwickelt. Mit diesem Modell könnte man auch erklären, warum es durch das Internet tatsächlich einfacher geworden ist, alleine zu sein, und damit zumindest die These 26 von Douglas Couplands großartigem Pessimist’s Guide To The Next Ten Years (“Being alone will become easier”) stützen: Es wird einfacher, weil meine Gedanken eben nicht mehr in meinem Kopf, sondern irgendwo da draußen sind. Zumindest solange der Computer oder das Smartphone an ist.

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