Generation Zombie (I)

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Die Schriftstellerin Zadie Smith wird seit ihrem Bestseller „White Teeth“ immer wieder als Sprachrohr einer Generation bezeichnet. Am Wochenende erschien nun eine übersetzte Version ihres Textes „Generation Why?“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Smith hat „The Social Network“ geguckt, dazu Jaron Laniers „You are not a Gadget“ gelesen und versucht sich so an einem Porträt der Generation Facebook.

Smith ist 35 Jahre alt und war zwei Monate bei dem blauen Riesen. Das scheint ein bisschen kurz. Auch Laniers Abrechnugen mit dem Internet kennt man bereits. Sie lesen sich in weiten Strecken so, als müsste Lanier eine enttäuschte Liebe verarbeiten. Und trotzdem lässt sich aus Smiths Text ein Porträt unserer Zeit ziehen. Nur eben anders herum: Lanier und Smith, wie andere Netzkritiker, warnen immer davor, dass wir der Technik unsere „Menschlichkeit“ opfern und deshalb zu gefühllosen, herdengesteuerten Zombies werden. Was aber, wenn wir genau das wollen – endlich zum Zombie werden?

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Irgendwas mit Liebe und Kryptonit

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Mit Geburtstagen ist das ja immer so eine Sache: Man weiß nicht richtig, was man feiern soll; gar nichts machen geht aber auch nicht. Um dieses Dilemma zu umgehen, feiern wir jetzt einfach zwei Tage später. Vorgestern also vor einem Jahr, erschien hier der erste Text. Es ging mit pseudo-tiefsinnigen Anspielungen irgendwie um Peter Licht. Später um Protest, vor allem im Iran – noch ein bisschen zu euphorisch, was die Rolle des Internets in Bewegungen anging. Aber das ist ja sowieso die größenwahnsinnige Frage hier: was tun, wenn man gesellschaftliche Veränderung will?

Wir haben Bartleby zum Schutzpatron des Blogs gemacht, als Symbol für eine erste Weigerung („I’d prefer not to“). Theoretisches Großprojekt  sollte sein, irgendwie zu verkünden, dass sich ein theoretischer Pessimisms und ein gewisser praktischer Optimismus nicht ausschließen, im Gegenteil. Der nächste lange Text wird das weiterspinnen und versuchen, auch die Netzkritik mit einzubeziehen. Denn die ist viel zu häufig nur ein Glaubenskrieg, der auf einer handvoll Studien und individuellen Erfahrungen gründet – entweder man ist ein early-adopting Hipster oder ein Kulturpessimist. Einen gesellschaftskritischen Bezug gibt es viel zu selten.

Alles zu viel blabla? Finde ich auch immer wieder. Deshalb gab es hier auch ein paar feine Kurzfilme, und meistens hatte das ja alles sowieso irgendwas mit der Liebe zu tun. Zum Geburtstag gibt es jetzt eine kurze Reportage dazu. Ich habe den Text für die Evangelische Journalistenschule geschrieben. Da verbringe ich jetzt seit zwei Wochen meine Tage. Björn geht es auch gut. Ab und zu sagt er, dass er ein paar mehr wahnsinnige Filmkritiken schreiben oder neue Comics zeichnen will. Die gehören ja eigentlich dazu: Superman, der sich lieber betrinkt und seiner spätmoderneren Version Platz gemacht hat. Die hat das Kryptonit bereits verinnerlicht. Doofe Situation. Wird auch irgendwann weitergehen. Aber jetzt stellt er hier jemand anders vor, dessen Gestalt man als Antwort auf die demografische Frage verstehen könnte.

Velen Dank noch an Paul von der Ape Unit, der sämtliche Layout-Änderungen geduldig zehnfach zurücknehmen musste, um dann doch wieder alles ganz anders zu machen. Und klar, hier wird eigentlich viel zu wenig gebloggt. Aber ich freue mich, wenn ich noch ein paar mehr Menschen per Google Reader oder tumblr verfolgen kann. Jetzt geht es erst einmal auf Liebessuche … shoot!

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S21: Warten auf das Ereignis

Noch ist nichts passiert. Ein paar Menschen latschen durch Pfützen, gucken nach links und gehen dann nach rechts. Wo ist sie denn jetzt, diese „Überraschung“, von der hier alle geflüstert haben? Erstmal ’ne Kippe. Zwei Rentner mit Regenschirmen nähern sich. Am linken Gehsteig rennt ein Typ mit weißer Kapuze die Straße hinunter. Autoreifen drehen durch. Es ist Samstag, und es ist nass in Stuttgart. Die Leute bleiben drinnen. Nur 20.000 sollen es sein, die auf dem Schloßplatz gegen den Bahnhofsumbau demonstrieren. Weniger als sonst. Aber irgendetwas soll passieren. Der Protest wird weitergehen. Eine Überraschung ist angekündigt. Etwas Besonderes.

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The Social Network: I wish I was special

Creep – wohl kein Song ist besser geeignet als Soundtrack zu David Finchers Facebook-Hommage The Social Network. Neben den zahlreichen Trailer-Parodien, hier ein alternativer Film von Dashock07:

A vision of the brutality of imposed conformity in the computer age. Faceless inhabitants of this carefully engineered reality type their lives away in endless rows of zeros and ones. When the number four unexpectedly infiltrates one computer, the system soon proves to be less airtight than intended. This call for individuality and self-expression leads to confusion and trauma, unleashing the protagonist into a liberating, yet painful, creative experience.

Neuronales Kneten

brain500

Nicholas Carr findet, dass durch das Netz unser Denken verflacht – gibt es dafür Belege?

Auch Bernd, das Brot, hat sich jetzt in die Diskussion eingeschaltet. Die Sendeleitung vom Kinderkanal hat ihm ein Handy an die Hand geklebt, damit er immer erreichbar ist. „Mist“, ärgert sich Bernd, denn: „Das Internet ist mein Versau-mir-meine-Welt-Otron.“ Wie Bernd, das Brot, fühlen sich viele, und das diesjährige Sommerloch ist deshalb mit der Angst gefüllt, dass es schon bald gar kein Sommerloch mehr geben wird – dass der Strom von Informationen und Themen unbeirrt durch uns hindurch rauscht, während wir im Urlaub versuchen abzuschalten. Geht das überhaupt noch, abschalten? Für Journalisten muss es besonders schwer sein. Alex Rühle, Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung, hat ein halbes Jahr auf digitale Hilfsmittel verzichtet. Und musste dafür ein halbes Jahr den Spott seiner Redaktion ertragen: „Kann dem Kollegen das mal jemand auf eine Kuhhaut ritzen?“

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„Because it’s dull, doesn’t mean it’s not true“

Ich bin wirklich kein Fan von permanenten historischen Vergleichen und Parallelen oder Zitaten toter Männer. Was davon am Schluss bei mir bleibt, ist das Gefühl, dass alles schon einmal da war und man sich genauso gut zurücklehnen und es sich gemütlich machen kann. Aber hier mal eine ausdrückliche Einladung zum Zurücklehnen. Denn die Diskussion zwischen Marshall McLuhan (Wired zu seinem 99. Geburtstag am 21. Juli) und dem Schreiberling Norman Mailer von 1967 ist in vielen Teilen interessanter als heutige Talkrunden zu dem Thema. Es geht um Medienrevolutionen und wie sich die Menschen an eine neue (elektronische) Natur anpassen, wenn die alte abgeschafft ist.

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Netzpolitik: Die Lok rollt einfach weiter

Im Vergleich zu den Datenhighways im Internet ist die Politik manchmal so schwerfällig wie die Diesellok im Berliner Technikmuseum. Insofern war der Ort gut gewählt, als Innenminister Thomas de Maizière am Dienstag hier seine Grundsatzrede zur Netzpolitik hielt. Seit Januar hat er in vier Gesprächsrunden mit Aktivisten und Experten über die „Perspektiven deutscher Netzpolitik“ geredet. Teilnehmende bescheinigten dem frisch ins Amt gekommenen Minister hohe Dialogbereitschaft, sowie die Fähigkeit des Zuhörens. Ein Stilwechsel, der nötig war.

Vorgänger Wolfgang Schäuble hielt es nicht für nötig, einmal die Ohren anzulegen und zu lauschen, worüber da eigentlich so eifrig im Internet kommuniziert wird. Er war in den Augen vieler nur der Abhörer, eine „Stasi 2.0“. De Maizières Ton sollte ein anderer werden. In den vier Gesprächsrunden war der Innenminister sensibilisiert worden: nicht immer sofort neue Gesetze einzuführen, die Novellen sollten die technische Entwicklung nicht blockieren und im Einklang mit europäischem und internationalem Recht vonstatten gehen.

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Digital Activism: Die verschlüsselte Revolution

Foto: marco papapopulus, Lizenz: by-nc-nd

Abbildung: marco papapopulus, Lizenz: by-nc-nd

Endlich sprechen alle dieselbe Sprache. Eine Sprache aus Nullen und Einsen: der „digitale Code“ ist überall der gleiche – im Iran, den USA oder auf den Philippinen. Ein Internet-Zugang ist alles, was man braucht, um sich einzuklinken. Und trotzdem verstehen sich die Menschen nicht.

Bestes Beispiel hierfür sind die Unterhaltungen zwischen dem New-Yorker Medien-Forscher Clay Shirky und dem weißrussischen Journalisten und Blogger Evgeny Morozov. Zum Beispiel über die Rolle des Internets im Iran: Das Netz verschaffe endlich denen Gehör, die bisher vom politischen Prozess ausgeschlossen waren, die Revolution sei nahe, meint Shirky. „Ja, nur noch 20 Tweets“, kommentiert höhnisch Morozov und erklärt, wie das Regime in Teheran die neuen Kommunikationskanäle nutzt, um Gegner noch effektiver zu verfolgen.

„Digital Acitivism“ ist zum Schlagwort für alle Aktionen geworden, die sich einer digitalen Struktur bedienen, um soziale und politische Änderungen zu bewirken. In dem Buch Digital Activism Decoded – The new mechanics of change (hier als pdf) wird jetzt erstmals versucht, diese Phänomene genauso zu fassen. Im faustischen Sinne fragt Herausgeberin Mary Jones, Pionierin und Botschafterin der digitalen Aktion, was die (digitale) Welt im Innersten zusammenhält.

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„WTF??? RT @zdfonline“

In der Pause kochte die Stimmung über. „Im Eifer der Halbzeitpause“ könne so eine „sprachliche Entgleisung“ schon einmal passieren, stellte ZDF-Sportchef Dieter Gruschewitz daher noch in der Nacht klar. Was war geschehen? Nationalspieler Miroslav Klose stand seit Monaten in der Kritik. Fast die ganze Fußballwelt hätte Cacau im Sturm den Vortritt gelassen. Und dann macht er diesen Koopfballtreffer gegen Australien – ein „innerer Reichsparteitag“ müsse das für ihn gewesen sein, sagte Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in jener Halbzeitpause. Skandal? ZDF-Experte Oliver Kahn zuckte nicht einmal mit der Wimper, als ihm Müller-Hohenstein diesen Ball zuspielte. Doch die Twitter-Welt war aus dem Häuschen. Ein gewitterter Nazivergleich, und schon entlädt sich ein kleiner „Shitstorm“ über dem ZDF: Sofort feuern, wenn sie nicht selbst zurücktritt!

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Träum was Schönes, liebe Maschine

Heute hat David Gelernter in der Reihe Netzkritik der FAZ/FAS (die ich immer gerne lese) einen schönen Artikel über „Die Traumlogik des Denkens“ geschrieben. Was unterscheidet uns von Maschinen und Netzalgorithmen, können Maschinen eigentlich Menschen werden?

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