Deutsch in Kaltland

Kuscheln mit Teddy hilft fast immer – wenn Adorno so über die zwischenmenschliche Kälte redet, wird es einem schon fast wieder warm. Weil wieder klar wird, dass das Problem eben nicht bei einem alleine liegt.

Nun sind zur Zeit jede Menge Menschen auf den Straßen. Ich habe in den vergangen Tagen ein paar jener Menschen begleitet, die in Berlin “echte Demokratie” fordern – auch heute zum Bundestag. Und erst dabei ist mir klar geworden, worum es ihnen wirklich geht: nicht um Positionen, Programme, Alternativen – sondern erst einmal darum, die Kälte zwischen uns “konkurrierenden Monaden” (Teddy) zu überwinden. Wir sollen uns wieder trauen, in die Augen zu schauen und im öffentlichen Raum über Dinge reden, mit denen wir uns kaum mehr beschäftigt haben.

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“Es hätte so schön sein können”

Zeichnung: Björn

Nach Inception haben wir es endlich wieder mal geschafft, zusammen ins Kino zu gehen – und zwar in “Melancholia”. Zwei Briefe an Lars von Trier.

Lieber Lars,

ich hoffe, es geht dir gut. Hast du dich von deinen Anfeindungen erholt?

Ich habe unlängst „Drive“ von deinem Landsmann Nikolas Windig Refn gesehen. Ein Meisterwerk. Wunderschöne Bilder. Eine Kameraführung, die ihres gleichen sucht. Ganz fantastisch auch die 80er Musik und der eingebettete Score von Angelo Badalamenti. Alles ist stimmig, das Tempo, das Casting – darunter Ryan Gosling und Albert Brooks – einfach großartig. Carey Mulligan als alleinerziehende Mutter, hin und her gerissen zwischen ihrem Mann, der gerade aus dem Knast kommt, und dem Driver, spielt phänomenal – wie in „Never Let Me Go“ von Mark Romanek.

„Drive“ ist ein Actiondrama, bei welchem sehr schnell klar ist, dass alles den Bach runtergeht. Trotz dieser Erkenntnis in der Mitte des Films will man immer weiter. Dieser Film fesselt. Es ist also ob man selbst ins offene Messer rennt, aber es gibt keinen Weg zurück. Man fiebert mit dem Hauptdarsteller mit – bis zum bitteren Ende. Ganz großes Kino!

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Selbst schuld

Herbstliche Animation, angelehnt an den Roman “Der Fall” von Albert Camus. Das Buch ist eine Art Lebensbeichte des Richters Jean-Baptiste Clamence. Und wie das nach dem Tod Gottes et al. und im Zeitalter der individuellen Freiheit halt so ist, scheint als Schuldige(r) in den ständigen Prozessen des Gewissens stets nur eine(r) übrig zu bleiben. (via)

Das neue Facebook: Waffe gegen den Selbstzweifel

Vor ein paar Tagen habe ich die neue Facebook-Timeline freigeschaltet. Das ist schon nett, so durch die vergangenen Jahre zu scrollen. Meinen ersten Eintrag schrieb ich im März 2008: “is at the bar”. Und kurz darauf: “is finally working on a pathetic online existence.” Diese Arbeit geht wohl noch eine Weile weiter. Für die taz habe ich mal aufgeschrieben, warum wir diese Arbeit überhaupt auf uns nehmen, warum trotz der Kritik an Facebook und anderen Web-Oligarchen immer noch so viele Menschen scheinbar so sorglos mit ihren Daten umgehen.

Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Tauschgeschäft. Facebooks Geschäftsmodell besteht aus einer mächtigen Illusion, die da lautet: Tausche deine Daten gegen ein “schönes Leben”. Im Grunde schließt der Text an den schon einmal von mir gemachten Versuch an, Profilbildung im Netz in erster Linie als Versuch zu verstehen, die eigenen Zweifelspiralen zu überwinden (siehe hier und hier). Der Text kommt nach dem Klick.

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Botschaften wieder sichtbar machen

Ich finde ja nicht einmal, dass der Berliner Wahlkampf inhaltsleerer ist als andere Wahlkämpfe. Und die beste Strategie eines Amtsinhabers war es schon immer, Themen möglichst aus dem Weg zu gehen. Was man aber in Berlin derzeit sehen kann ist, dass es mittlerweile sogar subversiver Akte bedarf, um inhaltliche Botschaften (welcher Art auch immer) überhaupt erst wieder sichtbar zu machen.

Das vesuchen zumindest ein paar Berliner Adbuster gerade. Meine liebe Kollegin Lena Kampf hat sie für die taz am Freitag Abend bei ihrem letzten Streifzug vor der Wahl begleitet.

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Gefangen im System #Liebe


“Wonach hast Du bei Google gesucht?”"Nach Liebe.”"Und was hast Du gefunden?”"Twitter.”
@gedankenklo
Benjamin L.

Wenn alle über die Liebe reden – in Filmen, Romanen, Ratgebern, Gesprächen, Texten – ist das ein sicheres Zeichen für ihre Abwesenheit. „Sprache erwächst aus Abwesenheit“, schrieb schon Roland Barthes in seinem Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Wenn die Liebe also überall zu sein scheint, ist sie immer auch nirgends.

Da schon immer viel über die Liebe geredet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie noch nie so richtig präsent war. Liebe definiert sich vor allem durch ihre Flüchtigkeit, durch ein unsicheres Zeichensystem. Nirgends kann man dieses Zeichensystem schöner beobachten, als beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der allseits beliebte Linkverteiler ist längst auch Emokanal Nummer Eins geworden. Überall finden sich hier die Symbole der Intimitätssuchenden: #hach und<3.

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Drug Me

Ich bin kein Fan von diesen Talkshows. Auch diese hätte zehnmal interessanter sein können. Immerhin ist Jello Biafra zu Gast. Drüben auf Dangerous Minds heißt es zur Sendung: “He has stayed true to his core beliefs while many aging punks have sold out and played it safe.” Das meine ich nicht einmal. Punk hin oder her – Jello Biafra hat einfach immer weitergemacht. Und auf die Frage, wie lange er das noch tun will – warum er sich immer wieder in die gleichen politischen Themen wirft, obwohl sich doch nie etwas zu ändern scheint – sagt er:

Look, you are getting your hearts broken again. But does that mean we give up now and just update our facebook every day and call it a life? Or do we either choose to get louder because this time it might get through?

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Robert Misik im Betahaus: Ist der Apfelkuchen noch gut?

Würde man Fische fragen, wie es auf dem Meeresboden ist, würden sie vermutlich alles Mögliche sagen. Nur nicht, dass es dort nass ist. Experten sind da ähnlich: Sie übersehen das Offensichtliche, das ganz Banale. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und Die Linke haben am Samstag eine ganze Menge Experten ins Betahaus geladen, zur Konferenz Netz für Alle. Auch der Wiener Publizist Robert Misik war dabei. Er stellte sich mit der kleinen Fisch-Anekdote selbst als Nicht-Spezialist vor und suchte in seinem Vortrag nach dem ganz Offensichtlichen: Was ist also das Banale am Internet?

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What Do I Really Want?

Schöne neue RSA-Animation – diesmal von der Philosophin Renata Salecl zu “The Paradox of Choice”. In Anlehnung an Sigmund Freud und Slavoj Žižek beschreibt Salecl, inwieweit der Glaube an die eigene Wahlfreiheit sozialen Wandel nicht gerade erleichtert hat. Ganz im Gegenteil: Da wir uns nur noch als eigenverantwortliche Sebstverwirklicher verstehen, kann sich unsere Kritik im Falle des Scheiterns nur an uns selbst richten, und nicht mehr an die Gesellschaft.

Teil 5: Die Jugend ist vorbei

Die sich fortsetzende Korrespondenz zwischen einem reichen und hilflosen Pärchen und ihrem verwöhnten und verschwenderischen Sohn – Briefe von den Eltern 5 (Teil 1, 2, 3, 4)

03.02.2011

„lieber sohn,

wir sind wieder einmal zutiefst erschüttert. ich hoffe du kannst dir denken, warum. dass du auf unsere anrufe und briefe nicht reagierst, war uns schon seit einer weile klar, aber dass du auf dem geburtstag deiner cousine – sie ist gerade 18 jahre alt geworden, wie du hoffentlich weißt – vollkommen unbekleidet, außer mit etwas, dass deine schwester ganz augenscheinlich als „übergroßen mit was auch immer beschmierten umschnalldildo“ zu identifizieren wusste, macht uns wieder einmal über die maßen sprachlos. nicht nur, dass deine ankunft den bitteren beigeschmack meines in den gartenzaun „hineingepreschten“ ferraris hatte – nein: auch dieses mal mustest du von deiner besten seite glänzen, indem du nicht nur in die bowle „pissen“ musstest, sondern auch lauthals gröhltest: „die jugend ist vorbei! ab nun wird gefickt!!!“

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