What Do I Really Want?

Schöne neue RSA-Animation – diesmal von der Philosophin Renata Salecl zu “The Paradox of Choice”. In Anlehnung an Sigmund Freud und Slavoj Žižek beschreibt Salecl, inwieweit der Glaube an die eigene Wahlfreiheit sozialen Wandel nicht gerade erleichtert hat. Ganz im Gegenteil: Da wir uns nur noch als eigenverantwortliche Sebstverwirklicher verstehen, kann sich unsere Kritik im Falle des Scheiterns nur an uns selbst richten, und nicht mehr an die Gesellschaft.

Teil 5: Die Jugend ist vorbei

Die sich fortsetzende Korrespondenz zwischen einem reichen und hilflosen Pärchen und ihrem verwöhnten und verschwenderischen Sohn – Briefe von den Eltern 5 (Teil 1, 2, 3, 4)

03.02.2011

„lieber sohn,

wir sind wieder einmal zutiefst erschüttert. ich hoffe du kannst dir denken, warum. dass du auf unsere anrufe und briefe nicht reagierst, war uns schon seit einer weile klar, aber dass du auf dem geburtstag deiner cousine – sie ist gerade 18 jahre alt geworden, wie du hoffentlich weißt – vollkommen unbekleidet, außer mit etwas, dass deine schwester ganz augenscheinlich als „übergroßen mit was auch immer beschmierten umschnalldildo“ zu identifizieren wusste, macht uns wieder einmal über die maßen sprachlos. nicht nur, dass deine ankunft den bitteren beigeschmack meines in den gartenzaun „hineingepreschten“ ferraris hatte – nein: auch dieses mal mustest du von deiner besten seite glänzen, indem du nicht nur in die bowle „pissen“ musstest, sondern auch lauthals gröhltest: „die jugend ist vorbei! ab nun wird gefickt!!!“

weiterlesen

Protestsongs? Ja, Depression

Die Spex sucht verzweifelt nach neuen Protestsongs. Dabei hat die Band Ja, Panik gerade eine ganze CD mit ihnen aufgenommen.

Das schöne an der Band Ja, Panik ist ja, dass man sie ernst nehmen kann. Zumindest seit sie nicht mehr ständig den Exzess als Ausweg aus der postmodernen Langeweile besingt: In dem verschwurbelten Prolog zu Alles hin, hin, hin, eine Art verspätete Begründung für den eigenen Bandnamen, hieß es vor zwei Jahren: ”Den Prozess der Kybernetisierug aufzuhalten und das Empire zu stürzen, verläuft über eine Öffnung für die Panik.” Die Panik hat etwas befreiendes. Ganz im Gegensatz zur Angst. Angst blockiert, sie ist handlungshemmend, sie verändert nichts, sie vermeidet. Wer aber der Panik des öfteren begegnet, der wird versuchen, sein Leben zu ändern. So die Theorie.

Jetzt ist das neue Album erschienen, es heißt DMD KIU LIDT. Darauf wird viel gesprochen, geflüstert und geschrien – ein permanenter Mix aus deutsch und englisch mit gelegentlichem wienerischen Einschlag. Ja, Panik sind ruhiger geworden, ihre Lieder heißen jetzt This Ship Ought to Sink oder Suicide. ”I didn’t burn my guitar, but yes I burnt the manifestos”, singt Andreas Spechtl in The Horror – dabei schreibt er die ganze Zeit Manifeste, vor allem für den österreichischen Radiosender fm4: “Vom Überleben in der Metropole” heißt die Serie, in der er immer wieder Textpassagen des Albums aufgreift.

weiterlesen

Digitale Revolution: “Ein bisschen Körper wird schon bleiben”

Dass man sich Revolutionen eigentlich nie so richtig vorstellen kann, räumte Taz-Chefin Ines Pohl gleich zu Beginn vom Taz/Freitag-Medienkongress “Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt” ein: Als der Kongress vor einem halben Jahr geplant wurde, habe noch keiner ahnen können, was sich jetzt in der arabischen Welt abspiele, sagte Pohl. Um den Ereignissen gerecht zu werden, habe man das Programm deshalb immer wieder umstellen müssen.

Die “digitale Revolution” scheint uns dagegen schon eine halbe Ewigkeit zu begleiten. Und, das ist ja das schöne, trotzdem gehen die Vorstellungen darüber, was sie für uns bedeutet, immer noch weit auseinander und reichen vom wirkunsvollstes Instrument des Kapitalismus bis hin zur Erlösung von der eigenen Körperlichkeit – oder, in unserem Fall: Philosoph Joseph Vogl vs. K1-Bewohner und Dschungelcamper Rainer Langhans.

weiterlesen

Teil 4: Bedürfnisse

Die sich fortsetzende Korrespondenz zwischen einem reichen und hilflosen Pärchen und ihrem verwöhnten und verschwenderischen Sohn – Briefe von den Eltern 4 (Teil 1, 2, 3)

03.01.2010

„lieber sohn,

nach unserem letzten intermezzo – und ich hätte nie geglaubt, dass ich das einmal sagen würde – bin ich froh, dass du es einmal geschafft hast, eine unserer forderungen einzuhalten. der wagen war unversehrt in der via moscowa, bis auf dass du während der ganzen „reise“ anscheinend mit angezogener handbremse fahren musstest. auch unser letztes telefongespräch – das erste, seit 1 ½ jahren, welches deine mutter und ich mit dir führen durften! – war recht erfrischend. wie gehabt werde ich die kosten für die „abgeschmierte“ handbremse mit deinem guthaben auf dem bausparkonto begleichen. auf deine bitte hin hatte ich dich an einen guten freund und geschäftspartner nach hong kong vermittelt. leider ist dein vorstellungsgespräch auf grund besorgnis erregender umstände schlecht verlaufen. aus guter quelle wissen wir, dass du nicht nur mit einer zum himmel „stinkenden“ alkoholfahne bei meinem geschäftspartner „aufgekreuzt“ bist. wir hatten schon gerüchte von bekannten zu ohren bekommen über dein „problem“. viel bestürzter waren wir über die rechnung welche uns dein hotel zustellte. du hast nicht nur die minibar x-mal geplündert sondern auch einige „runden“ in der hotelbar geschmissen. nicht nur, dass du zum wiederholten male frauen gegen bezahlung auf dein zimmer genommen hast, konntest du dir es wiederum nicht nehmen lassen, dem hotelmanager auf die schuhe zu urinieren, weil der keinen „alk“ mehr ausschenken lassen wollte. lieber sohn! es gibt lösungen für jedes problem! ich habe kontakte zu suchtkliniken – weltweit! (wer weiß warum) lass dir helfen! melde dich bald…

in liebe
deine sich sorgenden eltern

p.s.: die hotelrechnung begleichen diesmal wir – wegen deines guten willens…“

weiterlesen

Žižek an der FU: “Ich setz mich lieber an den Rand”

Mit Žižek ist wie mit jedem anderen Phänomen, das man mal ganz interssant fand: Irgendwann nervt es einen. Ich bin trotzdem noch einmal hin, am Donnerstag Abend. Da redete Žižek an der FU-Berlin. Alles war voll, hinter mir Genuschel: “Hast du ihn schon mal gehört?” – “Nicht live.” Zwischenrufe und leise Buh-Rufe trafen die Vorredner, angespannte Stille dagegen beim Vortrag von Žižek – “Is it Still Possible to be a Hegelian Today?” lautete der Titel.

Ja, möchte man sofort antworten, es scheint noch eine Menge von ihnen zu geben. Der Hegelianer macht Krisen zu Chancen: Die Finanzkrise ist für ihn Vorbote einer neuen Weltwirtschaftsordnung, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Signal für die Befreiung vom Öl, und Fukushima das Ende des Atomzeitalters. Die Aufstände in der arabischen Welt müssen sowieso Zeichen des vernünftigen Fortschreiten der Weltgeschichte sein, in Libyen sollte man da gar nicht mehr nachhelfen, die “List der Vernunft” werde es schon richten. Gegen diese falsch verstandene “List der Vernunft” redete Žižek in seinem Vortrag an.

weiterlesen

Warum im Netz alle Revoluzzer sind

Die nächste RSA-Animation kommt diesmal zu einem Vortrag von Evgeny Morozov und der Frage “The Internet in Society: Empowering or Censoring Citizens?” Den Vortrag hat Morozov vor zwei Jahren gehalten, trotzdem ist es eine schöne Einführung zu seiner Auseinandersetzung mit dem “Cyber-Utopismus”, die er in seinem Buch “The Net Delusion” führt. Morozov wird am 8. April in Berlin den Medienkongress “Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt” eröffnen.  (via)

#Guttbye und die Bodenständigkeit des Internets

Foto: Oszedo, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Was war der Beitrag des Netztes im Fall Guttenberg? Die Antworten auf diese Frage waren teilweise an Netzüberschätzung kaum zu überbieten. An anderer Stelle konnte man dagegen lesen, dass es “das Netz” sowieso nicht mehr gibt – es gehöre längst zum Medien- und Politzirkus dazu, ist Mainstream geworden. Wenn man überlegt, wie stark eine Facebook-Gruppe die Berichterstattung der letzten Tage geprägt hat, könnte man sogar meinen, es sei der Star in der Manege. Was lernen wir daraus? Ein paar Gedanken zu den vergangenen Tagen.

Letzten Samstag zogen einige Alpha-BloggerInnen, der CCC, sowie Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg mit rund 500 Netzmenschen vors Verteidigungsministerium, um dem “Lügenbaron” ihre Schuhsohlen zu zeigen – “weil Worte nicht mehr ausreichen”, wie Initiator Hans Hübner sagte. Das war schön. Und hat deshalb innerhalb von wenigen Tagen soviele Leute angesprochen, weil der Aufruf ein Sachthema mit einer augenzwinkernden Geste kombinierte. Bis auf wenige (Plakat: “Von Gaddafi bis Guttenberg – wir kriegen euch alle!”) haben das auch die meisten verstanden.

weiterlesen

Teil 3: Rufschädigung

Die sich fortsetzende Korrespondenz zwischen einem reichen und hilflosen Pärchen und ihrem verwöhnten und verschwenderischen Sohn – Briefe von den Eltern 3 (Teil 1, 2):

13.07.2010

„lieber sohn,

es nimmt kein ende. dies ist wieder einmal ein versuch dich zu erreichen. und eine bestandsaufnahme: bei unserem letzten besuch in unserem apartment in stockholm fanden wir verheerende zustände vor. nicht nur, dass du laut concierge peterson „willenlos“ auf unser hochzeitsbett urinieren musstest, was zur folge hatte, dass die „flüssigkeit“ durch die dielen und die decke sickerte und einen erheblichen schaden am stuck unserer nachbarn im unteren stockwerk anrichtete, hast du es obendrein auch noch geschafft, das telefon aus der wand zu reißen und auf dem gaßherd solange zu „kochen“ bis von selbigen nichts mehr übrig blieb als eine schwarze „masse“! der herd kaputt, die luft vollkommen verpestet, die wände wieder einmal komplett von dem qualm ruiniert! summa sumarum sind das einmal wieder 8789 euro, welche ich gern von deinem bausparguthaben abziehe. auch das über die maßen ausgelassene feiern konnte dich nicht davon abhalten unseren volvo zu schrott zu fahren, weil du noch einmal eben „kurz“ bier holen gehen wolltest!?!

weiterlesen

Teil 2: Absprung

Foto: Douglas Dollars, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die sich fortsetzende Korrespondenz zwischen einem reichen und hilflosen Pärchen und ihrem verwöhnten und verschwenderischen Sohn –
Briefe von den Eltern 2 (Teil 1):

05.03.2010

“lieber sohn,

wir haben bereits 6 monate nichts von dir gehört, dafür umso mehr von deinen eskapaden! wiedermal wurde uns zugetragen, was passiert ist. anscheinend hast du dich kürzlich in san fancisco so “zulaufen” lassen, dass nicht nur der fußraum des beifahrersitzes eines taxis, welches du wohl nehmen musstest durch dein erbrochenes (wieder mal) in mitleidenschaft gezogen worden ist, sondern du anscheinend deinen “stuhl” nicht halten konntest. die rechnung der taxireinigung betrugen 467 dollar, welche wir unter keinen umständen begleichen werden! auch die blessuren, welche dir aufgrund dessen von dem taxifahrer beigebracht worden sind, werden wir nicht zur anzeige bringen. all das ist deine eigene schuld!
der gipfel jedoch ist, dass du es nicht nur geschafft hast, noch ein weiteres mal im krankenhaus während des magenauspumpens das bett voll zu „koten“ (vom hörensagen ein zum erbrechen bestialischer gestank – wie wir uns für dich schämen magst du dir nicht ausmalen!), sondern auch noch, als du wohl wieder relativ „klar“ warst, vorherig beschriebenes taxi auf irgend eine art und weise zu stehlen, damit durch die haupteingangstüre in die notaufnahme zu rasen und mit einem großen: “fickt euch alle – ihr scheiß-bourgeoisie-kapitalisten-wichser!” sich im krankenhaushemd zu verabschieden!!! solch ein verhalten können wir nicht länger hinnehmen, und die kosten trägst du! auf grund dessen, dass du dich im ausland aufhälst und wir deiner nicht habhaft werden können, haben wir uns dazu entschlossen, sämtliche deiner konten einzufrieren bis du dich bei uns meldest.

mit freundlichem gruß
deine eltern“

weiterlesen