Tag ‘Digital Activism’

#Guttbye und die Bodenständigkeit des Internets

Foto: Oszedo, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Was war der Beitrag des Netztes im Fall Guttenberg? Die Antworten auf diese Frage waren teilweise an Netzüberschätzung kaum zu überbieten. An anderer Stelle konnte man dagegen lesen, dass es „das Netz“ sowieso nicht mehr gibt – es gehöre längst zum Medien- und Politzirkus dazu, ist Mainstream geworden. Wenn man überlegt, wie stark eine Facebook-Gruppe die Berichterstattung der letzten Tage geprägt hat, könnte man sogar meinen, es sei der Star in der Manege. Was lernen wir daraus? Ein paar Gedanken zu den vergangenen Tagen.

Letzten Samstag zogen einige Alpha-BloggerInnen, der CCC, sowie Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg mit rund 500 Netzmenschen vors Verteidigungsministerium, um dem “Lügenbaron” ihre Schuhsohlen zu zeigen – “weil Worte nicht mehr ausreichen”, wie Initiator Hans Hübner sagte. Das war schön. Und hat deshalb innerhalb von wenigen Tagen soviele Leute angesprochen, weil der Aufruf ein Sachthema mit einer augenzwinkernden Geste kombinierte. Bis auf wenige (Plakat: „Von Gaddafi bis Guttenberg – wir kriegen euch alle!“) haben das auch die meisten verstanden.

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Kierkegaard, Morozov und der Slacktivismus

kierkegaard

Ich habe für die Frankfurter Rundschau einen Text zu Evgeny Morozov’s Buch „The Net Delusion: How Not to Liberate The World“ geschrieben: Revolution per Internet: Dänisches Gedankenlager. Es geht darum, dass Morozov das „Entweder – Oder“ des sympathischen Dänen etwas überstrapaziert, weil er befürchtet, dass neue Protestformen die alten ersetzen könnten. So wichtig es auch ist, nicht einem blinden Technologieglauben zu verfallen, aus dem heraus man die Welt nur noch mit unsinnigen Begriffen wie „Facebook-“ oder „Twitterrevolution“ erklärt, so unsinnig ist es auch, neue und alte Protest- bzw. Organisationsformen gegeneinander auszuspielen. Wichtiger wäre die Suche nach dem effektivsten „sowohl – als auch“.

But in what sense does it become concrete?

Digital Activism: Die verschlüsselte Revolution

Foto: marco papapopulus, Lizenz: by-nc-nd

Abbildung: marco papapopulus, Lizenz: by-nc-nd

Endlich sprechen alle dieselbe Sprache. Eine Sprache aus Nullen und Einsen: der „digitale Code“ ist überall der gleiche – im Iran, den USA oder auf den Philippinen. Ein Internet-Zugang ist alles, was man braucht, um sich einzuklinken. Und trotzdem verstehen sich die Menschen nicht.

Bestes Beispiel hierfür sind die Unterhaltungen zwischen dem New-Yorker Medien-Forscher Clay Shirky und dem weißrussischen Journalisten und Blogger Evgeny Morozov. Zum Beispiel über die Rolle des Internets im Iran: Das Netz verschaffe endlich denen Gehör, die bisher vom politischen Prozess ausgeschlossen waren, die Revolution sei nahe, meint Shirky. „Ja, nur noch 20 Tweets“, kommentiert höhnisch Morozov und erklärt, wie das Regime in Teheran die neuen Kommunikationskanäle nutzt, um Gegner noch effektiver zu verfolgen.

„Digital Acitivism“ ist zum Schlagwort für alle Aktionen geworden, die sich einer digitalen Struktur bedienen, um soziale und politische Änderungen zu bewirken. In dem Buch Digital Activism Decoded – The new mechanics of change (hier als pdf) wird jetzt erstmals versucht, diese Phänomene genauso zu fassen. Im faustischen Sinne fragt Herausgeberin Mary Jones, Pionierin und Botschafterin der digitalen Aktion, was die (digitale) Welt im Innersten zusammenhält.

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Blogging about the Revolution

Während Twitter grün leuchtet, färben sich die Straßen im Iran rot. Mit 15 Toten war es die blutigste Nacht seit Beginn der Proteste im Juni. Über tausend Tweets pro Minute rauschten am Sonntag mit dem Hashtag #iranelection durch die Leitungen, und immer häufiger konnte man Nachrichten wie diese lesen: „Force is the only thing this regime understands. So: lets dismantle this system“. Seitdem sind 1500 Menschen festgenommen worden. Die Protestwelle, die sich seit den Wahlen im Juni durch das Land zieht, scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. „Die islamische Republik taumelt ihrem Ende entgegen“, titelt Zeit-Online. Doch das Regime taumelt nicht, es wird getrieben. Von einer Protestbewegung, die so eng mit dem Netz verbunden ist, wie keine andere zuvor. Doch wo liegen die Hintergründe für die Entwicklung im Iran, und was lässt sich darüber hinaus über die Verbindung von Protestbewegung und Internet sagen? Ein Rück- und ein Ausblick.

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