Tag ‘Kapitalismus’

Das Geld und das Nichts

Das Geld hat seinen Geruch verloren, sagt Georg Seeßlen in diesem kurzen Video. Einen Geruch, den jener Geldschein noch hatte, mit dem wir Essen gegangen oder ein konkretes Bedürfnis befriedigt hätten. Das Geld verschwinde immer mehr ins Virtuelle und verwandle sich in abstrakte Ziffern. Und da das Geld nicht mehr greifbar ist, bleibe auch die so oft beschworene Revolte aus.

Zwar habe Marx den Fetischcharakter des Geldes noch erklären können. Doch seitdem das Geld nicht mehr konkret akkumulierte Arbeit verkörpere und stattdessen in einem virtuellen Raum in sich selbst kreist – wem solle man da überhaupt noch Geld wegnehmen? Das Geld hat keinen Ort mehr, sagt Seeßlen, es geht ins Nichts, und „wenn das Geld ins Nichts geht, dann gehen wir auch ins Nichts – das ist völlig klar.“

Die Depression ist auch keine Lösung

„Eigentlich ist klar, dass hiernach nichts mehr kommen darf – das bleibt also unter uns“, sagte Andreas Spechtl beim letzten Ja, Panik-Konzert in Berlin noch ganz verschämt. Da hatte er gerade die letzten Worte des Depressions-Manifests DMD KIU LIDT ins Mikrofon gehaucht. Dann spielte er noch ein paar Zugaben.

Beim gestrigen Konzert war DMD KIU LIDT tatsächlich der letzte Song des Abends. Und trotzdem: Die wohl noch nie so schön besungene Depression ist auch keine Lösung (das war sie auch noch nie). Obwohl es bei Ja, Panik bisher hieß „I burnt the manifestos“ kann man ab sofort auf den Konzerten der Band das Büchlein „Ja, Panik: Schriften – Band 1“ erstehen. Darin: die gesammelten Kolumnen, Tourtagebücher und mehr (steht alles auch hier). Lesestoff also. Zu konsumieren in der Zeit, in der einen das doofe System wieder einmal ausgeknockt hat.

„Die kommende Gemeinschaft liegt hinter unseren Depressionen“ heißt also nicht, dass man die Welt verändern kann, indem man einfach abtaucht. Im Gegenteil: Erst im Bett, im Zelt auf öffentlichen Plätzen und überall dort, wo Menschen feststellen, „dass es um mehr als die eigenen paar Problems geht“ (DMD KIU LIDT) – erst da kann die Suche nach dem Anderen überhaupt erst beginnen. Nicht einmal in Ruhe depressiv sein darf man also noch. Aber so viel Spaß hat das ohnehin nie gemacht.

What Do I Really Want?

Schöne neue RSA-Animation – diesmal von der Philosophin Renata Salecl zu „The Paradox of Choice“. In Anlehnung an Sigmund Freud und Slavoj Žižek beschreibt Salecl, inwieweit der Glaube an die eigene Wahlfreiheit sozialen Wandel nicht gerade erleichtert hat. Ganz im Gegenteil: Da wir uns nur noch als eigenverantwortliche Sebstverwirklicher verstehen, kann sich unsere Kritik im Falle des Scheiterns nur an uns selbst richten, und nicht mehr an die Gesellschaft.

Get Happy!

More von Mark Randall Osborne wurde 1999 in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ für den Oskar nominiert und kam als erster Stop-Motion-Film in die IMAX-Kinos. Brille auf und alles ist gut. (via)

„Not the world I want to live in“

Sozialtheoretiker David Harvey über den Krisenkapitalismus. Weitere animierte Vorträge der Royal Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce (RSA):

Wenn Deutschland dicht ist, hilft nur die Liebe

Bild: Christopher Tauber (piwi)

Dietmar Dath schreibt viel. Zuviel, findet die taz und hat ihm letzten Monat empfohlen, ein bisschen weniger Geschichten aus dem „Dath-Kontinuum“ auf den Markt zu werfen. Da hatte Dath gerade eine Rosa-Luxemburg-Biographie und das „politische Bilderbuch“ Deutschland macht dicht veröffentlicht. Das kommt mit jeder Menge Illustrationen und ist so viel leichter bekömmlich als die wundersame Dystopie Die Abschaffung der Arten vor zwei Jahren. Schöner kann es im Dath-Kontinuum eigentlich nicht mehr werden.

Deutschland macht dicht spielt in Frankfurt. Da lebt Hendrik. Hendrik schaut immer ein bisschen traurig. Doch in Frankfurt und Deutschland ist alles irgendwie traurig. Menschen demonstrieren, aber sie wissen nicht mehr wofür. Der „älteste Kommunist Deutschlands“ sitzt in seinem Keller, „fest eingewickelt in seine Melancholie“, und wünscht sich, er sei in einer anderen Welt. Oder zumindest, dass endlich etwas passiert. „Zuspätkommunist“, wie er von Rosalie genannt wird. weiterlesen