Tag ‘Kritische Theorie’

Irgendwas mit Liebe und Kryptonit

Foto: elstocker, Lizenz: by-nc-sa/2.0

Mit Geburtstagen ist das ja immer so eine Sache: Man weiß nicht richtig, was man feiern soll; gar nichts machen geht aber auch nicht. Um dieses Dilemma zu umgehen, feiern wir jetzt einfach zwei Tage später. Vorgestern also vor einem Jahr, erschien hier der erste Text. Es ging mit pseudo-tiefsinnigen Anspielungen irgendwie um Peter Licht. Später um Protest, vor allem im Iran – noch ein bisschen zu euphorisch, was die Rolle des Internets in Bewegungen anging. Aber das ist ja sowieso die größenwahnsinnige Frage hier: was tun, wenn man gesellschaftliche Veränderung will?

Wir haben Bartleby zum Schutzpatron des Blogs gemacht, als Symbol für eine erste Weigerung („I’d prefer not to“). Theoretisches Großprojekt  sollte sein, irgendwie zu verkünden, dass sich ein theoretischer Pessimisms und ein gewisser praktischer Optimismus nicht ausschließen, im Gegenteil. Der nächste lange Text wird das weiterspinnen und versuchen, auch die Netzkritik mit einzubeziehen. Denn die ist viel zu häufig nur ein Glaubenskrieg, der auf einer handvoll Studien und individuellen Erfahrungen gründet – entweder man ist ein early-adopting Hipster oder ein Kulturpessimist. Einen gesellschaftskritischen Bezug gibt es viel zu selten.

Alles zu viel blabla? Finde ich auch immer wieder. Deshalb gab es hier auch ein paar feine Kurzfilme, und meistens hatte das ja alles sowieso irgendwas mit der Liebe zu tun. Zum Geburtstag gibt es jetzt eine kurze Reportage dazu. Ich habe den Text für die Evangelische Journalistenschule geschrieben. Da verbringe ich jetzt seit zwei Wochen meine Tage. Björn geht es auch gut. Ab und zu sagt er, dass er ein paar mehr wahnsinnige Filmkritiken schreiben oder neue Comics zeichnen will. Die gehören ja eigentlich dazu: Superman, der sich lieber betrinkt und seiner spätmoderneren Version Platz gemacht hat. Die hat das Kryptonit bereits verinnerlicht. Doofe Situation. Wird auch irgendwann weitergehen. Aber jetzt stellt er hier jemand anders vor, dessen Gestalt man als Antwort auf die demografische Frage verstehen könnte.

Velen Dank noch an Paul von der Ape Unit, der sämtliche Layout-Änderungen geduldig zehnfach zurücknehmen musste, um dann doch wieder alles ganz anders zu machen. Und klar, hier wird eigentlich viel zu wenig gebloggt. Aber ich freue mich, wenn ich noch ein paar mehr Menschen per Google Reader oder tumblr verfolgen kann. Jetzt geht es erst einmal auf Liebessuche … shoot!

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Die Liebe als Rest-Utopie: Axel Honneth über das Erbe der kritischen Theorie

Foto: comicallyvintage

Wenn Jürgen Wiebicke vom WDR seine Philosophie-Interviews mit „Grübeln sie nicht so viel!“ beendet, dann ist das immer ein bisschen komisch. Schließlich hat man ihm und seinem Gegenüber bereits eine knappe Stunde beim Grübeln zugehört und zumindest passiv mit-gegrübelt. Und dann grübelt man auch noch darüber, warum er man jetzt auf einmal nicht mehr grübeln soll. Vergangene Woche war Axel Honneth zu Besuch und sprach über die Geschichte und Aktualität der kritischen Theorie. Noch viel mehr Widersprüche, die man hier nach-hören kann (via, danke für den Hinweis an fewa).

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Adornos Angst vor Žižek

Zeichnung: Björn

Zeichnung: Björn

„Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“ – „Mir nicht.“ So beginnt das berühmte Spiegel-Interview „Keine Angst vor dem Elfenbeiturm“ von 1969, indem Adorno begründet, warum er in jenen turbulenten Zeiten lieber ganz auf die verändernde Kraft der Theorie setzt.

Seitdem ist viel geschrieben worden über die Frage, ob man überhaupt noch etwas tun kann, sofern man sich nicht die Hände an jenem „Falschen“, dem alles bestimmenden Kapitalismus, schmutzig machen will. Lange schien der Rückzug in den Elfenbeinturm die tragische Konsequenz der kritischen Theorie zu sein. Der Jazz-Hasser Adorno als Komponist filigraner Zwölftonmusik – so das oft bemühte Bild für die Weltflucht eines Intellektuellen in seine ästhetische Theorie.

Das das nicht alles sein kann, war immer irgendwie klar. Verständlich wird dieses Geflecht aus Theorie und Praxis jedoch erst, wenn man es mit den letzten Schriften von Slavoj Žižek entwirrt. Denn nur auf den ersten Blick haben der stets traurig schauende Theodor „Teddy“ W. Adorno und der bekennende Neurotiker Slavoj Žižek nichts gemein. Hier habe ich einen Artikel über beide und die Frage „was tun?“ geschrieben.