Tag ‘Occupy Wallstreet’

Empört in Berlin

An den Reaktion auf „Occupy Wallstreet“ und die deutschen Ableger konnte man wieder einmal schön das linke Meinungsspektrum vermessen: Während sich die Jungle World noch nicht sicher war, was sie von den Protesten zu halten hat, wusste es die konkret sofort – nämlich nichts: „Wieder mal geht die Post ab, und wieder mal ist KONKRET nicht auf dem Trittbrett … Es war der berühmte Surrealist Klaus Ernst, der über den Klamauk das erlösende Verdikt sprach: ‚Das ist ein Aufstand der Anständigen.‘ Und wer möchte zu denen schon gehören.“

Man muss dieses Urteil nicht teilen, um trotzdem hin und hergerissen zu sein. Zumindest ging es mir so, während ich das Geschehen in Berlin für diesen Fotofilm begleitet habe. Da wird tatsächlich viel Enthusiasmus in die Wagschale geworfen. Dafür, dass es gerade erst damit losgeht, eine gemeinsame Sprache zu finden. Wir haben den Film in Schwarz-Weiß gehalten, um das Pathos ein wenig zu brechen.

Rückblickend habe ich unterschätzt, wie schwierig es ist, eine Geschichte nur mit O-Tönen zu erzählen. Jeder erklärende Nebensatz führt da schon zu weit weg. Und so bin ich wohl ein wenig an der Aufgabe gescheitert, ein inhaltsstarkes Stück über einen (noch?) inhaltlich-diffusen Protest zu machen.

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Deutsch in Kaltland

Kuscheln mit Teddy hilft fast immer – wenn Adorno so über die zwischenmenschliche Kälte redet, wird es einem schon fast wieder warm. Weil wieder klar wird, dass das Problem eben nicht bei einem alleine liegt.

Nun sind zur Zeit jede Menge Menschen auf den Straßen. Ich habe in den vergangen Tagen ein paar jener Menschen begleitet, die in Berlin „echte Demokratie“ fordern – auch heute zum Bundestag. Und erst dabei ist mir klar geworden, worum es ihnen wirklich geht: nicht um Positionen, Programme, Alternativen – sondern erst einmal darum, die Kälte zwischen uns „konkurrierenden Monaden“ (Teddy) zu überwinden. Wir sollen uns wieder trauen, in die Augen zu schauen und im öffentlichen Raum über Dinge reden, mit denen wir uns kaum mehr beschäftigt haben.

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