Tag ‘Slavoj Zizek’

What Do I Really Want?

Schöne neue RSA-Animation – diesmal von der Philosophin Renata Salecl zu „The Paradox of Choice“. In Anlehnung an Sigmund Freud und Slavoj Žižek beschreibt Salecl, inwieweit der Glaube an die eigene Wahlfreiheit sozialen Wandel nicht gerade erleichtert hat. Ganz im Gegenteil: Da wir uns nur noch als eigenverantwortliche Sebstverwirklicher verstehen, kann sich unsere Kritik im Falle des Scheiterns nur an uns selbst richten, und nicht mehr an die Gesellschaft.

Žižek an der FU: „Ich setz mich lieber an den Rand“

Mit Žižek ist wie mit jedem anderen Phänomen, das man mal ganz interssant fand: Irgendwann nervt es einen. Ich bin trotzdem noch einmal hin, am Donnerstag Abend. Da redete Žižek an der FU-Berlin. Alles war voll, hinter mir Genuschel: „Hast du ihn schon mal gehört?“ – „Nicht live.“ Zwischenrufe und leise Buh-Rufe trafen die Vorredner, angespannte Stille dagegen beim Vortrag von Žižek – „Is it Still Possible to be a Hegelian Today?“ lautete der Titel.

Ja, möchte man sofort antworten, es scheint noch eine Menge von ihnen zu geben. Der Hegelianer macht Krisen zu Chancen: Die Finanzkrise ist für ihn Vorbote einer neuen Weltwirtschaftsordnung, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Signal für die Befreiung vom Öl, und Fukushima das Ende des Atomzeitalters. Die Aufstände in der arabischen Welt müssen sowieso Zeichen des vernünftigen Fortschreiten der Weltgeschichte sein, in Libyen sollte man da gar nicht mehr nachhelfen, die „List der Vernunft“ werde es schon richten. Gegen diese falsch verstandene „List der Vernunft“ redete Žižek in seinem Vortrag an.

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„Not the world I want to live in“

Sozialtheoretiker David Harvey über den Krisenkapitalismus. Weitere animierte Vorträge der Royal Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce (RSA):

„We are the ones, we’ve been waiting for“

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Drei Tage lang hat die Berliner Volksbühne die „Idee des Kommunismus“ beherbergt. Die Philosophen Alain Badiou und Slavoj Žižek hatten zur Konferenz geladen und wollten den „Begriff des Kommunismus neu und in seiner ganzen Bedeutungsvielfalt“ denken. Antonio Negri war da, Performance-Künstler, Installationen und Filme sollten das Thema „ästhetisch beleuchten“. Volksbühnen-Intendant Frank Castorf zeigte Bertolt Brechts Lehrstück.

Ich habe beim Freitag über jeden Tag berichtet (Tag 1, Tag 2, Tag 3), hier nur eine kurze Zusammenfassung. Und die kurze Geschichte hinter diesem Stern. Das vortragende Trio aus Polen präsentierte ihn als neues Symbol für eine kommende Bewegung. Einen Stern mit verschiedenen Farben – eine „Gemeinschaft der Singularitäten“. Dazu eine offene Zacke, den „leeren Signifikanten“ für das kommende Projekt. Alle freuten sich über die Idee und das neue Symbol. Außer Žižek. Der Stern sei nichts weiter als das Symbol für die Demokratie, die auf so einem leeren Signifikanten beruhe. Alle könnten sich auf so einen Stern einigen, sogar der Papst. So ein enthusiastischer Moment sei zwar schön, mehr aber auch nicht. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

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Netzkritik: Die Angst, ein Werkzeug zu sein

Hamlet

Foto: Hartwig HKD, Lizenz: CC-BY-ND

Der Wunsch der Netz-Kritiker ist immer derselbe: Das Internet solle endlich das tun, was wir von ihm verlangen, „richtig funktionieren“. So beginnt auch das Manifest über „Die Zukunft des Internets„, das David Gelernter für die Sonntagszeitung der FAZ schrieb. Im Vorspann ist die Rede von einem unbändigen „Fluss aus all den Informationen“ und David Gelernter fragt ganz im Sinne des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, „was wir tun könnnen, um nicht in ihm zu ertrinken“.

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Adornos Angst vor Žižek

Zeichnung: Björn

Zeichnung: Björn

„Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“ – „Mir nicht.“ So beginnt das berühmte Spiegel-Interview „Keine Angst vor dem Elfenbeiturm“ von 1969, indem Adorno begründet, warum er in jenen turbulenten Zeiten lieber ganz auf die verändernde Kraft der Theorie setzt.

Seitdem ist viel geschrieben worden über die Frage, ob man überhaupt noch etwas tun kann, sofern man sich nicht die Hände an jenem „Falschen“, dem alles bestimmenden Kapitalismus, schmutzig machen will. Lange schien der Rückzug in den Elfenbeinturm die tragische Konsequenz der kritischen Theorie zu sein. Der Jazz-Hasser Adorno als Komponist filigraner Zwölftonmusik – so das oft bemühte Bild für die Weltflucht eines Intellektuellen in seine ästhetische Theorie.

Das das nicht alles sein kann, war immer irgendwie klar. Verständlich wird dieses Geflecht aus Theorie und Praxis jedoch erst, wenn man es mit den letzten Schriften von Slavoj Žižek entwirrt. Denn nur auf den ersten Blick haben der stets traurig schauende Theodor „Teddy“ W. Adorno und der bekennende Neurotiker Slavoj Žižek nichts gemein. Hier habe ich einen Artikel über beide und die Frage „was tun?“ geschrieben.