Tag ‘Twitter’

Gefangen im System #Liebe


„Wonach hast Du bei Google gesucht?““Nach Liebe.““Und was hast Du gefunden?““Twitter.“
@gedankenklo
Benjamin L.


Wenn alle über die Liebe reden – in Filmen, Romanen, Ratgebern, Gesprächen, Texten – ist das ein sicheres Zeichen für ihre Abwesenheit. „Sprache erwächst aus Abwesenheit“, schrieb schon Roland Barthes in seinem Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Wenn die Liebe also überall zu sein scheint, ist sie immer auch nirgends.

Da schon immer viel über die Liebe geredet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie noch nie so richtig präsent war. Liebe definiert sich vor allem durch ihre Flüchtigkeit, durch ein unsicheres Zeichensystem. Nirgends kann man dieses Zeichensystem schöner beobachten, als beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der allseits beliebte Linkverteiler ist längst auch Emokanal Nummer Eins geworden. Überall finden sich hier die Symbole der Intimitätssuchenden: #hach und<3.

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Generation Zombie (II)

Am Dienstag wollte ich zeigen, dass der Zombiestatus eine Versuchung des Internets ist: Eine Art Idealzustand, der eintreten würde, falls man seinen gesamten Zweifel in die Cloud auslagern könnte. Wir hätten so durch das Netz endlich einen Weg gefunden, uns der nervenden Gedanken zu entledigen – uns von ihnen zu distanzieren. Ein schöner Gedanke. Das Problem: Wir würden uns damit selbst abschaffen. Ohne den Zweifel sind wir eben keine Menschen mehr, sondern Zombies.

Klingt abstrakt. Ich glaube aber, dass der Versuch seine eigene Negativität quasi auszulagern, eine große Versuchung des Internets ist und eine große Suchtwirkung entwickelt. Mit diesem Modell könnte man auch erklären, warum es durch das Internet tatsächlich einfacher geworden ist, alleine zu sein, und damit zumindest die These 26 von Douglas Couplands großartigem Pessimist’s Guide To The Next Ten Years („Being alone will become easier“) stützen: Es wird einfacher, weil meine Gedanken eben nicht mehr in meinem Kopf, sondern irgendwo da draußen sind. Zumindest solange der Computer oder das Smartphone an ist.

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Generation Zombie (I)

Foto: Dimitriy Rebus Larin, Lizenz: by-nc-nd

Die Schriftstellerin Zadie Smith wird seit ihrem Bestseller „White Teeth“ immer wieder als Sprachrohr einer Generation bezeichnet. Am Wochenende erschien nun eine übersetzte Version ihres Textes „Generation Why?“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Smith hat „The Social Network“ geguckt, dazu Jaron Laniers „You are not a Gadget“ gelesen und versucht sich so an einem Porträt der Generation Facebook.

Smith ist 35 Jahre alt und war zwei Monate bei dem blauen Riesen. Das scheint ein bisschen kurz. Auch Laniers Abrechnugen mit dem Internet kennt man bereits. Sie lesen sich in weiten Strecken so, als müsste Lanier eine enttäuschte Liebe verarbeiten. Und trotzdem lässt sich aus Smiths Text ein Porträt unserer Zeit ziehen. Nur eben anders herum: Lanier und Smith, wie andere Netzkritiker, warnen immer davor, dass wir der Technik unsere „Menschlichkeit“ opfern und deshalb zu gefühllosen, herdengesteuerten Zombies werden. Was aber, wenn wir genau das wollen – endlich zum Zombie werden?

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„Ein Lied von Wiederkehr, ein Lied vom Leben“

Christine Watty vom Deutschlandradio Kultur hat die letzten Tage per Twitter die schönsten Vogel-Songs gesucht. Das Matrosenlied „Die großen weißen Vögel“ von Ingrid Caven bekam die meisten Tweets – seit ein paar Jahren der wunderschöne Rausschmeißer nach Tocotronic-Konzerten. Vergangenen Monat war ich fast ein bisschen froh, als die Vögel endlich dran waren.

Blogging about the Revolution

Während Twitter grün leuchtet, färben sich die Straßen im Iran rot. Mit 15 Toten war es die blutigste Nacht seit Beginn der Proteste im Juni. Über tausend Tweets pro Minute rauschten am Sonntag mit dem Hashtag #iranelection durch die Leitungen, und immer häufiger konnte man Nachrichten wie diese lesen: „Force is the only thing this regime understands. So: lets dismantle this system“. Seitdem sind 1500 Menschen festgenommen worden. Die Protestwelle, die sich seit den Wahlen im Juni durch das Land zieht, scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. „Die islamische Republik taumelt ihrem Ende entgegen“, titelt Zeit-Online. Doch das Regime taumelt nicht, es wird getrieben. Von einer Protestbewegung, die so eng mit dem Netz verbunden ist, wie keine andere zuvor. Doch wo liegen die Hintergründe für die Entwicklung im Iran, und was lässt sich darüber hinaus über die Verbindung von Protestbewegung und Internet sagen? Ein Rück- und ein Ausblick.

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