Tag ‘Zombies’

Generation Zombie (II)

Am Dienstag wollte ich zeigen, dass der Zombiestatus eine Versuchung des Internets ist: Eine Art Idealzustand, der eintreten würde, falls man seinen gesamten Zweifel in die Cloud auslagern könnte. Wir hätten so durch das Netz endlich einen Weg gefunden, uns der nervenden Gedanken zu entledigen – uns von ihnen zu distanzieren. Ein schöner Gedanke. Das Problem: Wir würden uns damit selbst abschaffen. Ohne den Zweifel sind wir eben keine Menschen mehr, sondern Zombies.

Klingt abstrakt. Ich glaube aber, dass der Versuch seine eigene Negativität quasi auszulagern, eine große Versuchung des Internets ist und eine große Suchtwirkung entwickelt. Mit diesem Modell könnte man auch erklären, warum es durch das Internet tatsächlich einfacher geworden ist, alleine zu sein, und damit zumindest die These 26 von Douglas Couplands großartigem Pessimist’s Guide To The Next Ten Years (“Being alone will become easier”) stützen: Es wird einfacher, weil meine Gedanken eben nicht mehr in meinem Kopf, sondern irgendwo da draußen sind. Zumindest solange der Computer oder das Smartphone an ist.

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Generation Zombie (I)

Foto: Dimitriy Rebus Larin, Lizenz: by-nc-nd

Die Schriftstellerin Zadie Smith wird seit ihrem Bestseller „White Teeth“ immer wieder als Sprachrohr einer Generation bezeichnet. Am Wochenende erschien nun eine übersetzte Version ihres Textes „Generation Why?“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Smith hat „The Social Network“ geguckt, dazu Jaron Laniers „You are not a Gadget“ gelesen und versucht sich so an einem Porträt der Generation Facebook.

Smith ist 35 Jahre alt und war zwei Monate bei dem blauen Riesen. Das scheint ein bisschen kurz. Auch Laniers Abrechnugen mit dem Internet kennt man bereits. Sie lesen sich in weiten Strecken so, als müsste Lanier eine enttäuschte Liebe verarbeiten. Und trotzdem lässt sich aus Smiths Text ein Porträt unserer Zeit ziehen. Nur eben anders herum: Lanier und Smith, wie andere Netzkritiker, warnen immer davor, dass wir der Technik unsere „Menschlichkeit“ opfern und deshalb zu gefühllosen, herdengesteuerten Zombies werden. Was aber, wenn wir genau das wollen – endlich zum Zombie werden?

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