Tag ‘Zweifel’

Das neue Facebook: Waffe gegen den Selbstzweifel

Vor ein paar Tagen habe ich die neue Facebook-Timeline freigeschaltet. Das ist schon nett, so durch die vergangenen Jahre zu scrollen. Meinen ersten Eintrag schrieb ich im März 2008: „is at the bar“. Und kurz darauf: „is finally working on a pathetic online existence.“ Diese Arbeit geht wohl noch eine Weile weiter. Für die taz habe ich mal aufgeschrieben, warum wir diese Arbeit überhaupt auf uns nehmen, warum trotz der Kritik an Facebook und anderen Web-Oligarchen immer noch so viele Menschen scheinbar so sorglos mit ihren Daten umgehen.

Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Tauschgeschäft. Facebooks Geschäftsmodell besteht aus einer mächtigen Illusion, die da lautet: Tausche deine Daten gegen ein „schönes Leben“. Im Grunde schließt der Text an den schon einmal von mir gemachten Versuch an, Profilbildung im Netz in erster Linie als Versuch zu verstehen, die eigenen Zweifelspiralen zu überwinden (siehe hier und hier). Der Text kommt nach dem Klick.

weiterlesen

The Raven Always Wins

… zumindest am Geburtstag von Edgar Allan Poe (19.1.1809 – 7.10.1849). Wenn man es schon nicht mehr persönlich ans Westminster Grab schafft, kann man sich immerhin noch einmal DAS Gedicht auf Glas gemalt ansehen. Ende des Jahres wird dann John Cusack gegen den Raben antreten.

Generation Zombie (II)

Am Dienstag wollte ich zeigen, dass der Zombiestatus eine Versuchung des Internets ist: Eine Art Idealzustand, der eintreten würde, falls man seinen gesamten Zweifel in die Cloud auslagern könnte. Wir hätten so durch das Netz endlich einen Weg gefunden, uns der nervenden Gedanken zu entledigen – uns von ihnen zu distanzieren. Ein schöner Gedanke. Das Problem: Wir würden uns damit selbst abschaffen. Ohne den Zweifel sind wir eben keine Menschen mehr, sondern Zombies.

Klingt abstrakt. Ich glaube aber, dass der Versuch seine eigene Negativität quasi auszulagern, eine große Versuchung des Internets ist und eine große Suchtwirkung entwickelt. Mit diesem Modell könnte man auch erklären, warum es durch das Internet tatsächlich einfacher geworden ist, alleine zu sein, und damit zumindest die These 26 von Douglas Couplands großartigem Pessimist’s Guide To The Next Ten Years („Being alone will become easier“) stützen: Es wird einfacher, weil meine Gedanken eben nicht mehr in meinem Kopf, sondern irgendwo da draußen sind. Zumindest solange der Computer oder das Smartphone an ist.

weiterlesen

Generation Zombie (I)

Foto: Dimitriy Rebus Larin, Lizenz: by-nc-nd

Die Schriftstellerin Zadie Smith wird seit ihrem Bestseller „White Teeth“ immer wieder als Sprachrohr einer Generation bezeichnet. Am Wochenende erschien nun eine übersetzte Version ihres Textes „Generation Why?“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Smith hat „The Social Network“ geguckt, dazu Jaron Laniers „You are not a Gadget“ gelesen und versucht sich so an einem Porträt der Generation Facebook.

Smith ist 35 Jahre alt und war zwei Monate bei dem blauen Riesen. Das scheint ein bisschen kurz. Auch Laniers Abrechnugen mit dem Internet kennt man bereits. Sie lesen sich in weiten Strecken so, als müsste Lanier eine enttäuschte Liebe verarbeiten. Und trotzdem lässt sich aus Smiths Text ein Porträt unserer Zeit ziehen. Nur eben anders herum: Lanier und Smith, wie andere Netzkritiker, warnen immer davor, dass wir der Technik unsere „Menschlichkeit“ opfern und deshalb zu gefühllosen, herdengesteuerten Zombies werden. Was aber, wenn wir genau das wollen – endlich zum Zombie werden?

weiterlesen

Netzkritik: Die Angst, ein Werkzeug zu sein

Hamlet

Foto: Hartwig HKD, Lizenz: CC-BY-ND

Der Wunsch der Netz-Kritiker ist immer derselbe: Das Internet solle endlich das tun, was wir von ihm verlangen, „richtig funktionieren“. So beginnt auch das Manifest über „Die Zukunft des Internets„, das David Gelernter für die Sonntagszeitung der FAZ schrieb. Im Vorspann ist die Rede von einem unbändigen „Fluss aus all den Informationen“ und David Gelernter fragt ganz im Sinne des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, „was wir tun könnnen, um nicht in ihm zu ertrinken“.

weiterlesen

Die neue Zärtlichkeit

Ich habe Tocotronic nie verstanden. Als sie 2002 ihr Weißes Album herausgebracht haben, bin ich etwas irritiert, aber dennoch euphorisch auf ihr Konzert gegangen und nervte Sänger Dirk von Lowtzow auf dem Weg zur Konzerthalle: „Spielt ihr heute Gehen die Leute?“ – „Nein“. „Letztes Jahr im Sommer?“ – „Nein“. „Was spielt ihr überhaupt?“ – „Heute spielen wir gar nichts.“

weiterlesen